Marketing & Gäste

Taco Bell: Wie eine 62-Jahre-alte Kette zur Lieblingsmarke einer ganzen Generation wurde

Eine Taco-Schale. Aus Doritos.

Michael Krause
Michael Krause
12. Februar 202616 Min. Lesezeit
Taco Bell: Wie eine 62-Jahre-alte Kette zur Lieblingsmarke einer ganzen Generation wurde

Eine Taco-Schale. Aus Doritos.

Das war die Produktidee die 2012 bei Taco Bell auf dem Tisch lag. Ein Taco dessen Schale ein Nacho-Cheese-Doritos-Chip ist.

Die Marketing-Abteilung: "Das ist verrückt."

Die Geschäftsführung: "Machen wir."

Ergebnis: 100 Millionen verkaufte Tacos in den ersten 10 Wochen. Eine Milliarde Dollar Umsatz in weniger als 2 Jahren. 15.000 neue Mitarbeiter eingestellt nur um die Nachfrage zu bedienen.

Taco Bell ist 62 Jahre alt. Gegründet in einer Garage in Downey, Kalifornien. Billigste Tacos der USA. Das Restaurant das du um 2 Uhr nachts betrunken besuchst.

Und trotzdem: Eine der kulturell relevantesten Marken für die Generation Z. Ein Pop-up-Hotel in 2 Minuten ausgebucht. Fast 2 Millionen Social-Media-Follower die jeden Post feiern. $18,4 Milliarden Systemumsatz in 2025 — mehr als je zuvor.

Wie hat eine 62-jährige Kette das geschafft was Applebee's in 40 Jahren nicht konnte?

Sie hat nicht versucht jung zu WERDEN. Sie hat angefangen jung zu REDEN.

Was du in diesem Artikel lernst:

  • Warum der billigste Taco-Laden der USA heute relevanter ist als die meisten Fine-Dining-Konzepte
  • Wie EIN verrücktes Produkt $1 Milliarde einbrachte — und was das für deine Speisekarte bedeutet
  • Warum Taco Bells Social-Media-Strategie jede Agentur-Strategie in den Schatten stellt
  • Die 5 konkreten Lektionen für deutsche Gastronomen die ihre nächste Generation gewinnen wollen
  • Warum Verjüngung nicht bedeutet dein Restaurant umzubauen — sondern deine Sprache zu ändern
Was Warum das wichtig ist
9.000+ Filialen, $18,4 Mrd. Systemumsatz 2025 Eine "billige Taco-Bude" kann ein Milliarden-Imperium sein — wenn die Marke stimmt
Doritos Locos Tacos: $1 Mrd. in unter 2 Jahren Die verrückteste Idee ist oft die profitabelste
Hotel in 2 Minuten ausgebucht — $169/Nacht Taco Bell verkauft kein Essen. Taco Bell verkauft Zugehörigkeit
Applebee's versuchte jung zu WERDEN — und scheiterte Identität ändern vertreibt Stammgäste. Kommunikation ändern gewinnt neue
Social Media wie ein Mensch, nicht wie ein Unternehmen Engagement schlägt Reichweite. Humor schlägt Corporate-Sprache

1962-2000: Vom Garagenrestaurant zum Chihuahua

Am 6. Juli 1962 eröffnete Glen Bell sein erstes Taco Bell in Downey, Kalifornien. 37 Quadratmeter. Ein Bestellfenster. Tacos für 19 Cent.

Bell war Hamburger-Verkäufer in San Bernardino gewesen — der gleichen Stadt in der McDonald's begann. Statt gegen die Burger-Giganten zu kämpfen entschied er sich für etwas was niemand anderes in diesem Format anbot: mexikanisches Essen im Fast-Food-Stil.

Die Prognose für das erste Jahr: $400.000. Die Realität deutete schnell auf mehr hin.

Bis 1978 standen 868 Filialen. PepsiCo kaufte die Kette für rund $125 Millionen. Bis Mitte der Neunziger war Taco Bell DIE Tex-Mex-Fast-Food-Kette der USA.

Dann kam der Chihuahua.

1997 startete Taco Bell die "Yo Quiero Taco Bell"-Kampagne — einen kleinen Hund der mit Akzent "Ich will Taco Bell" sagt. Die Werbung wurde zur Pop-Kultur. T-Shirts, Spielzeug, Memes avant la lettre.

Aber hier ist die überraschende Wahrheit: Die Kampagne war kulturell ikonisch — und kommerziell eine Katastrophe. Im zweiten Quartal 2000 fielen die Same-Store-Sales um 6% — der größte Rückgang in Taco Bells Geschichte. Der Chihuahua wurde eingestampft.

Die Lektion? Bekanntheit allein rettet kein Restaurant. Jeder kannte den Hund. Aber niemand kaufte deswegen mehr Tacos.

Was du jetzt tun kannst: Frag dich bei jeder Marketing-Aktion: Bringt das Aufmerksamkeit — oder bringt das UMSATZ? Der Unterschied ist größer als du denkst. Bekanntheit ohne Conversion ist teures Ego-Futter.


"Think Outside the Bun": Wie man sich neu erfindet ohne sich zu verraten

2001 kam ein neuer Slogan: "Think Outside the Bun." — Denk jenseits des Brötchens.

Nicht "bessere Tacos". Nicht "authentischer". Nicht "gesünder".

ANDERS.

Taco Bell hörte auf sich mit mexikanischen Restaurants zu vergleichen — und erfand eine eigene Kategorie. Produkte die niemand erwartet hatte, die aber perfekt zur Marke passten:

  • Crunchwrap Supreme (2005): Eine verschlossene Tortilla mit Hackfleisch, Käse und knusprigem Taco drin. 51 Millionen verkauft in den ersten 6 Wochen. Das schnellstverkaufte Produkt in Taco Bells Geschichte.
  • Chalupa (1999): Frittierte Fladenbrot-Tasche. Kein Mexikaner hätte das als "mexikanisch" bezeichnet — aber Taco Bell hatte nie behauptet authentisch zu sein.
  • Quesarito: Burrito in einer Quesadilla. Doppelt, dreist, unverschämt.

Diese Produkte hatten eines gemeinsam: Sie waren UNERWARTET. Sie passten in keine existierende Kategorie. Und genau deshalb sprachen die Leute darüber.

Taco Bell verstand etwas das viele Gastronomen nicht verstehen: Du musst nicht BESSER sein als deine Konkurrenz. Du musst ANDERS sein. Besser ist eine Meinung. Anders ist ein Fakt. Und Fakten verbreiten sich schneller.

Ich sage das meinen Coaching-Klienten regelmäßig: Wenn dein Restaurant "gutes Essen in schöner Atmosphäre" anbietet, bietest du dasselbe an wie 206.000 andere Gastronomiebetriebe in Deutschland. Das ist keine Positionierung — das ist Unsichtbarkeit.

Was du jetzt tun kannst: Mach eine Liste von 5 Dingen die dein Restaurant anders macht als die Konkurrenz. Nicht besser — ANDERS. Wenn dir nichts einfällt: Das ist dein Problem. Nicht der Markt, nicht die Kosten, nicht das Personal.


Doritos Locos Tacos: Eine Milliarde Dollar mit EINEM Produkt

  1. März 2012. Taco Bell bringt den Doritos Locos Taco auf den Markt. Eine Kooperation mit Frito-Lay (dem Doritos-Hersteller): Die Taco-Schale besteht aus einem Nacho-Cheese-Doritos-Chip.

Die Zahlen sind absurd:

Zeitraum Verkaufte Stück
Erste 10 Wochen 100 Millionen
Erstes Jahr ~375 Millionen (~1 Million pro Tag)
Nach 14 Monaten 500 Millionen
Nach 19 Monaten $1 Milliarde Umsatz

Taco Bell musste 15.000 neue Mitarbeiter einstellen — nur für dieses eine Produkt. CEO Greg Creed bestätigte: "Last year we added 15,000 people to handle the growth."

Lass dir diese Zahl auf der Zunge zergehen: Ein einziges Produkt das nicht mehr kostet als ein normaler Taco — und trotzdem eine Milliarde Dollar einbringt. Kein neues Restaurant. Kein neues Konzept. Kein Millionen-Investment. Nur eine verrückte Idee die jemand UMGESETZT hat.

Was steckt dahinter? Drei Prinzipien die du sofort auf dein Restaurant übertragen kannst:

Prinzip 1: Unerwartet schlägt perfekt. Niemand hat nach einem Doritos-Taco gefragt. Aber als er da war, wollte ihn jeder probieren. Dein nächster Bestseller ist wahrscheinlich nicht die optimierte Version eines bestehenden Gerichts — sondern etwas das deine Gäste überrascht.

Prinzip 2: Kooperationen multiplizieren. Taco Bell + Doritos = mehr als Taco Bell ODER Doritos allein. Das ist das Prinzip der strategischen Partnerschaft — etwas das ich mit meinen Klienten unter dem Namen "JV-Maschine" umsetze. Wer ist dein "Doritos"? Die lokale Brauerei? Der Chocolatier aus der Nachbarschaft? Der Craft-Gin-Hersteller? Es gibt Kooperationspartner die beide Seiten stärker machen — du musst sie nur finden.

Prinzip 3: Ein Produkt kann alles ändern. Du brauchst nicht 20 neue Gerichte. Du brauchst EINS das die Leute zum Reden bringt. Die Crunchwrap Supreme verkaufte sich 51 Millionen Mal in 6 Wochen — weil sie anders war als alles was es gab. Was ist DEIN Crunchwrap?

Was du jetzt tun kannst: Setz dich mit deinem Küchenchef zusammen und brainstormt 10 verrückte Produktideen. Nicht "realistisch". Nicht "machbar". VERRÜCKT. Die verrückteste davon — das könnte euer Doritos Locos Taco sein. Die Details wie man solche Ideen systematisch entwickelt und testet behandle ich regelmäßig im Newsletter.


Social Media: Die Kette die klingt wie ein Mensch

Vergleich zwei Instagram-Antworten auf eine Gäste-Nachricht:

Restaurant A: "Vielen Dank für Ihren Besuch! Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen und wünschen Ihnen einen schönen Abend."

Taco Bell: Als Old Spice auf Twitter fragte "Why is it that 'fire sauce' isn't made with any real fire?" antwortete Taco Bell: "Is your deodorant made with really old spices?" — TIME nannte es einen der 140 Momente die Twitter bedeutsam machten.

Restaurant A klingt wie ein Anrufbeantworter. Taco Bell klingt wie ein Freund der zufällig Tacos verkauft.

Das ist kein Zufall. Das ist Strategie.

Taco Bells Social-Media-Team unter Nicole Weltman und CEO Sean Tresvant (seit 2024, vorher Chief Brand Officer) hat eine klare Regel: Klinge wie ein Mensch, nie wie ein Unternehmen. Kurze Tweets. Humor. Selbstironie. Direkte Interaktion mit Fans. Memes statt Pressemitteilungen.

Die fast 2 Millionen Follower auf X (Twitter) sind dabei nicht mal die wichtigste Kennzahl. Was zählt ist das ENGAGEMENT — die Shares, die Zitate, die Gespräche. Taco Bell generiert organische Reichweite die sich bezahlte Werbung nicht kaufen kann.

Und die Sauce-Packets? Seit 2004 stehen auf jedem einzelnen Tüten-Gewürz Sprüche wie "Marry Me!" oder "I Won't Wait Forever." Klingt nach nichts — ist aber Gesprächsstoff. Leute sammeln die Sprüche. Verkleiden sich zu Halloween als Sauce-Tüte. Ein Mann überlebte 5 Tage in einem Schneesturm indem er nur Taco-Bell-Saucen aß.

Das ist keine Marketing-Strategie. Das ist eine Kultur.

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Das Taco Bell Hotel: Wenn Fast Food zum Lifestyle wird

August 2019. Taco Bell übernimmt ein Hotel in Palm Springs, Kalifornien. 70 Zimmer. Sauce-Packet-Kissen. Pool-Partys. Exklusives Menü. Taco-Bell-Design in jedem Winkel.

Preis: $169 pro Nacht.

Reservierungen gingen am 27. Juni um 10 Uhr morgens online.

In 2 Minuten war alles ausgebucht. Jedes Zimmer. Jeder Tag. CNBC bestätigte es.

Jetzt denk mal darüber nach: $169 für eine Nacht in einem Hotel einer Fast-Food-Kette deren Tacos $1,49 kosten. Und die Leute REISSEN sich darum.

Warum? Weil Taco Bell nicht Essen verkauft. Taco Bell verkauft Zugehörigkeit.

"Ich war im Taco Bell Hotel" ist ein Statement. Ein Social-Media-Post. Eine Geschichte die du erzählst. Es geht nicht um den Taco — es geht um: "Ich bin Teil von etwas."

Das ist das Prinzip das die meisten Gastronomen nicht verstehen. Deine Gäste kommen nicht nur wegen dem Essen. Sie kommen wegen dem GEFÜHL. Wegen der Geschichte die sie danach erzählen. Wegen der Zugehörigkeit zu etwas.

Was ist das Gefühl in DEINEM Restaurant? Wenn deine Antwort "gutes Essen in netter Atmosphäre" ist — dann hast du kein Gefühl. Du hast eine Beschreibung die auf 90% aller Restaurants zutrifft.

Was du jetzt tun kannst: Frag 10 Stammgäste: "Warum kommst du zu uns — und nicht ins Restaurant nebenan?" Hör genau zu. Die Antwort ist NICHT "wegen dem Essen." Es ist etwas Emotionaleres. Und das ist dein Goldstück.


Warum Taco Bell geschafft hat was Applebee's nicht konnte

2017 kündigte Applebee's die Schließung von über 130 Filialen an. Die Kette hatte versucht Millennials zu gewinnen — mit trendigen Menü-Items (Barbecue Shrimp in Sriracha-Lime-Sauce), $1-Cocktails und einer hippen Atmosphäre.

NPR titelte: "Applebee's Gives Up On Millennials After Failed Rebranding Efforts."

Das Problem war nicht die Absicht. Das Problem war die Methode.

Applebee's änderte seine IDENTITÄT um junge Gäste anzuziehen. Neues Menü. Neue Vibe. Neue Musik. Das Ergebnis: Die alten Stammgäste erkannten "ihr" Applebee's nicht wieder — und die jungen kamen trotzdem nicht.

Taco Bell machte das Gegenteil.

Die Identität blieb GLEICH: Billige Tacos, verrückte Kreationen, Late-Night-Essen. Das was Taco Bell seit 60 Jahren ausmacht. Was sich änderte war nur die SPRACHE: Social Media statt TV-Werbung. Memes statt Pressemitteilungen. Humor statt Corporate-Speak. Kooperationen statt Eigenwerbung.

Was Applebee's tat Was Taco Bell tat
Menü geändert (Sriracha-Garnelen) Menü beibehalten + verrückte Neuheiten DAZU
Atmosphäre verändert (hipster) Atmosphäre beibehalten + Cantina-Konzept als ERGÄNZUNG
$1-Drinks als Lockvogelangebot Doritos-Taco als "Wow, muss ich probieren"
Identität aufgegeben Identität BEHALTEN, Kommunikation angepasst
Stammgäste verloren UND Junge nicht gewonnen Stammgäste behalten UND Junge dazugewonnen

Das Taco Bell Cantina-Konzept ist ein perfektes Beispiel: Ausgewählte Filialen in Großstädten (San Francisco, Chicago, Las Vegas) servieren Alkohol — Bier, Wein, Frozen Cocktails. Upgrades Design. Aber die Basis bleibt: Taco Bell-Menü zu Taco Bell-Preisen. Die Cantinas ERSETZEN nichts — sie ERGÄNZEN.

Ich nenne das "Identitäts-Erweiterung statt Identitäts-Ersetzung." Du änderst nicht WER du bist — du änderst WIE du kommunizierst. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Was du jetzt tun kannst: Schreib drei Sätze auf: 1) "Mein Restaurant IST..." 2) "Meine Stammgäste schätzen..." 3) "Junge Leute sollten kommen weil..." Wenn Satz 3 im Widerspruch zu Satz 1 und 2 steht, machst du einen Applebee's. Wenn Satz 3 eine logische Erweiterung von 1 und 2 ist, bist du auf dem Taco-Bell-Weg.


5 Lektionen die jeder deutsche Gastronom von Taco Bell lernen kann

Lektion 1: Verjüngung ≠ Veränderung

Du musst nicht dein Menü ändern um junge Gäste zu gewinnen. Du musst deine KOMMUNIKATION ändern.

Das bedeutet nicht "mach mal TikTok." Das bedeutet: Verstehe WO deine nächste Generation ist und SPRICH dort — in ihrer Sprache, nicht in deiner.

In Deutschland nutzen 48% der Gastronomiebetriebe bereits TikTok für Marketing — ein Anstieg von 26% in nur einem Jahr. Der Kanal wächst schneller als jeder andere. Aber die meisten Restaurants die TikTok nutzen, nutzen es wie Instagram: hübsche Fotos von Gerichten. Das ist kein TikTok. Das ist Instagram auf der falschen Plattform.

Was funktioniert: Humor. Behind-the-Scenes. Ehrlichkeit. Interaktion. Die gleichen Prinzipien die Taco Bell auf Twitter groß gemacht haben — angewandt auf deine Social-Media-Strategie.

Lektion 2: Die verrückteste Idee ist oft die profitabelste

Doritos-Taco-Schale. $1 Milliarde.

Was ist DEINE verrückte Idee die du nie ausprobiert hast weil sie "zu verrückt" klingt?

Die Wahrheit ist: Die meisten Gastronomen innovieren nicht — sie optimieren. Bessere Version des Schnitzels. Neue Beilage zum Steak. Saisonale Variation des Salats. Das ist keine Innovation. Das ist Verwaltung des Bestehenden.

Innovation bedeutet: Etwas auf den Tisch bringen das niemand erwartet. Ein Gericht das Leute fotografieren MÜSSEN. Eine Kooperation die Gesprächsstoff liefert. Ein Erlebnis das man weitererzählt.

Meine Coaching-Klienten die dieses Prinzip umsetzen erzielen regelmäßig Umsatzsteigerungen von 20-50% — nicht durch besseres Essen, sondern durch unerwartetere Angebote. Die Stellschrauben die den Unterschied zwischen "nett" und "eine Milliarde" ausmachen behandle ich regelmäßig im Newsletter — weil sie ohne den richtigen Kontext kontraproduktiv sein können.

Lektion 3: Antworte wie ein Mensch, nicht wie ein Unternehmen

"Vielen Dank für Ihren Besuch, wir freuen uns auf ein Wiedersehen." — Das ist kein Social Media. Das ist ein Todesurteil für Engagement.

Taco Bell antwortet mit Humor, Selbstironie und Persönlichkeit. Das kannst du auch — sogar BESSER, weil du ein echtes Gesicht hast. Du bist kein Konzern mit 9.000 Filialen. Du bist ein Mensch der ein Restaurant betreibt. Zeig das.

Antworte auf Google-Bewertungen nicht mit Textbausteinen. Reagiere auf Instagram-Kommentare nicht wie ein Chatbot. Wenn ein Gast schreibt "Bestes Schnitzel der Stadt!" antworte nicht "Vielen Dank!" — antworte "Das sagen wir unserem Koch. Der wird rot. Aber er hat's verdient."

Lektion 4: Du verkaufst kein Essen — du verkaufst Zugehörigkeit

Taco Bell Hotel: Ausgebucht in 2 Minuten. Nicht wegen den Tacos. Wegen dem Gefühl: "Ich bin Teil von etwas."

Was ist das GEFÜHL das dein Gast hat wenn er bei dir ist? Wenn du das nicht in einem Satz sagen kannst, hast du noch Arbeit vor dir.

Die erfolgreichsten Restaurants die ich in 23 Jahren begleitet habe, haben alle eines gemeinsam: Ihre Gäste beschreiben das Restaurant nicht über das Essen. Sie beschreiben es über ein Gefühl. "Da fühle ich mich wie..." "Das ist MEIN Laden." "Die kennen mich dort."

DAS ist der Unterschied zwischen einem Restaurant und einer Marke. Und DAS ist der Grund warum ein Fast-Food-Laden Hotelzimmer für $169 verkaufen kann.

Lektion 5: Kooperationen die niemand erwartet = Marketing-Gold

Doritos + Taco Bell = $1 Milliarde. Keine der beiden Marken hätte das allein geschafft. Die Kombination war größer als die Summe der Teile.

Wer ist DEIN "Doritos"?

Nicht die offensichtliche Wahl. Nicht der Lieferant der dir 5% Rabatt gibt. Sondern der Partner den niemand erwartet. Die lokale Brauerei die ein exklusives Bier für dich braut. Der Konditor der einen Dessert-Taco entwickelt. Der Fitness-Studio-Besitzer der gesunde Lunch-Bowls bei dir abholen lässt.

Das sind keine Fantasien. Meine Coaching-Klienten setzen das regelmäßig um — mit dem was ich die "JV-Maschine" nenne. Die strategischen Partnerschaften die daraus entstehen bringen 4.000-6.000€ monatlichen Mehrumsatz bei 0€ Kosten.

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Häufige Fragen zu Verjüngung, Gen Z und Restaurant-Marketing

Muss ich auf TikTok sein um jüngere Gäste zu gewinnen? Nein. TikTok ist EIN Kanal — nicht der einzige. Taco Bell wurde auf Twitter groß, nicht auf TikTok. Der Punkt ist nicht die Plattform, sondern die SPRACHE. Wenn du auf Instagram bist und dort wie ein Mensch kommunizierst statt wie ein Unternehmen — funktioniert das genauso. Wichtig ist: Sei dort wo deine Zielgruppe ist und rede wie sie redet. Mehr dazu in meinem Artikel über Instagram Reels für Restaurants.

Wie finde ich heraus was die nächste Generation von meinem Restaurant erwartet? Frag sie. Nicht mit einer Umfrage — mit einem Gespräch. Lade 5 Gäste unter 30 zum Kaffee ein und frag: "Was würde euch dazu bringen häufiger zu kommen?" und "Was postet ihr auf Social Media — und warum?" Die Antworten werden dich überraschen. Es geht fast nie ums Essen.

Kann ein traditionelles deutsches Restaurant "verrückte" Produkte einführen ohne die Stammgäste zu verschrecken? Ja — wenn du es als ERGÄNZUNG machst, nicht als Ersatz. Taco Bell hat seine normalen Tacos nie abgeschafft. Die Doritos-Version kam DAZU. Genau so kannst du dein klassisches Wiener Schnitzel behalten — und eine "Schnitzel-Variante des Monats" einführen die überrascht. Deine Stammgäste bleiben beim Klassiker. Neue Gäste kommen wegen der Überraschung.

Was ist der günstigste Weg um jüngere Zielgruppen anzusprechen? Kooperationen. Taco Bell hat mit Doritos kooperiert — nicht weil sie kein Geld hatten, sondern weil zwei Marken zusammen mehr Aufmerksamkeit erzeugen als jede allein. Finde einen lokalen Partner (Brauerei, Rösterei, Konditorei) und kreiert gemeinsam etwas Einmaliges. Die Kosten: fast null. Die Reichweite: beide Kundenstämme zusammen.

Wie viel Budget brauche ich für Social-Media-Marketing? Die ehrliche Antwort: 0€ für organische Inhalte, 300-500€/Monat für bezahlte Anzeigen wenn du es ernst meinst. Taco Bells Social-Media-Erfolg basiert zu 90% auf organischen Inhalten — nicht auf Werbebudget. Was du brauchst ist keine Agentur. Was du brauchst ist jemand in deinem Team (oder du selbst) der authentisch und regelmäßig postet. 3 Posts pro Woche, mit Persönlichkeit statt Perfektion.

Verliere ich meine älteren Stammgäste wenn ich "jünger" kommuniziere? Nicht wenn du es richtig machst. Applebee's hat seine Identität geändert — und beide Gruppen verloren. Taco Bell hat seine Identität behalten und nur die Kommunikation angepasst. Deine Stammgäste interessieren sich nicht für dein TikTok. Sie kommen wegen dem Essen, dem Service und der Gewohnheit. Aber die nächste Generation entscheidet anhand deiner Online-Präsenz ob sie überhaupt den ersten Besuch wagt.


Dein Restaurant muss nicht Taco Bell sein — aber es muss relevant bleiben

Taco Bell ist kein Vorbild für dein Essen. Niemand sagt du sollst Doritos-Schnitzel servieren.

Taco Bell ist ein Vorbild für RELEVANZ.

Für die Fähigkeit sich ständig neu zu erfinden — ohne sich selbst zu verlieren. Für den Mut verrückte Ideen umzusetzen statt sie in der Schublade verrotten zu lassen. Für die Konsequenz eine Generation anzusprechen die in 10 Jahren 80% deiner Gäste stellen wird.

Die Generation Z ist nicht die Zukunft. Sie ist die Gegenwart. In Deutschland sind das 11 Millionen Menschen zwischen 15 und 30. Sie entscheiden in Sekunden. Sie vertrauen Empfehlungen, nicht Werbung. Sie wollen Zugehörigkeit, nicht nur Essen.

Taco Bell hat das verstanden. Mit einer 62 Jahre alten Marke. Mit billigen Tacos. Ohne Premium-Anspruch.

Wenn eine Fast-Food-Kette das schaffen kann, dann kannst du es auch.

Die Frage ist nicht ob du es KANNST. Die Frage ist ob du bereit bist etwas zu tun das sich anfangs verrückt anfühlt.

Denn die verrückteste Idee auf dem Tisch — das ist meistens die die alles verändert.

Weiterführende Artikel:


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