In der Gastronomie gibt es immer wieder Phasen, in denen das gewohnte Geschäftsmodell unter Druck gerät — sei es durch wirtschaftliche Abschwünge, steigende Kosten, saisonale Flauten oder veränderte Gästebedürfnisse. Doch genau in solchen Zeiten entstehen die besten Innovationen.
Denn wer gezwungen ist, umzudenken, entdeckt oft Möglichkeiten, die im Normalbetrieb übersehen werden. Die folgenden Praxisbeispiele zeigen, was innovative Gastronomen tun, wenn es darauf ankommt — und warum diese Ideen auch in guten Zeiten funktionieren.
FOH einmal anders: Kreative Außenbereiche schaffen
FOH — "Front of the House" — beschreibt normalerweise die Bereiche, die für Gäste zugänglich sind. Doch was, wenn der Gastraum nicht ausreicht oder du neue Erlebnisse schaffen willst? Dann wird es Zeit, über kreative Erweiterungen nachzudenken.
Seilbahngondeln als Restaurantstuben
In Skigebieten kennt man sie als gemütliche kleine Stuben beim Après-Ski — aber Seilbahngondeln funktionieren auch als kreative Restauranterweiterung. Bei eingeschränktem Platz im Innenbereich, in der kalten Jahreszeit oder wenn du einfach ein besonderes Erlebnis bieten willst, sind Gondeln eine ideale Lösung.
Die Kabinen sind hell, haben rundum Fenster, können gut belüftet werden, Sitze sind vorhanden und ein Tisch lässt sich schnell einrichten. Eine digitalisierte Speisekarte stellt übers Handy den Kontakt zum Kellner her. Viele Seilbahngesellschaften verkaufen alte Kabinen nach Modernisierungen, und stillgelegte Bahnen bieten ebenfalls Gelegenheiten.
Gondeln und die folgenden alternativen Restaurantstuben eignen sich auch hervorragend für Advents- und Weihnachtsfeiern, Firmenvents oder private Feiern in kleiner Runde. Da sich die Räumlichkeiten auch mit Lautsprechern ausstatten lassen, kann die passende Atmosphäre erzeugt werden.
Weihnachtshütten
Die idyllischen Hütten von Weihnachtsmärkten können sehr gut als Restauranterweiterung verwendet werden — auch außerhalb der Adventszeit. Der Vorteil ist, dass bereits alles vorinstalliert ist — Strom, Heizung, Belüftung — und lassen sich einfach zu einer gemütlichen Restauranthütte umfunktionieren. In der Adventszeit kannst du ergänzend Weihnachtsartikel zum Verkauf anbieten und so die ursprüngliche Funktion in den Restaurantbetrieb integrieren.
Gartenhäuschen
Liegt dein Restaurant in der Nähe eines Garten-Centers oder einer Gärtnerei? Dann überlege dir eine Zusammenarbeit. Gartenhäuschen lassen sich zu gemütlichen Restaurantstuben umgestalten. Wichtig sind die Ausstattung mit Fenstern, Strom und einer Heizung. Die Kommunikation kann über Handy oder ein digitales Bestellsystem laufen — in vielen Restaurants ist das ohnehin bereits Standard.
Camping- oder Bauwagen
Ähnlich können Camping- oder Bauwagen zu kleinen Restaurantstuben umgebaut werden. Achte besonders auf Fenster, Belüftung, Heiz- und Stromsysteme.
Diese Wagen bieten auch die Möglichkeit, sie als Imbissstand einzusetzen. Mit Klappläden, Bistrotischen und Aufstellern, die auf deine Angebote hinweisen, kann zumindest die Küche weiterarbeiten — selbst wenn der reguläre Restaurantbetrieb sich vorübergehend nicht lohnt.
Weinfässer als Restaurantstube
In Weinregionen findet man diese Idee schon vielfältig umgesetzt — große Weinfässer, die als gemütliche Sitzgelegenheit für kleine Gruppen dienen. Diese lassen sich auch außerhalb von Weingebieten als kreative Ergänzung zum Platzangebot nutzen und sorgen garantiert für Gesprächsstoff unter deinen Gästen.
Natürlich lassen sich all diese FOH-Lösungen auch miteinander kombinieren — je kreativer, desto besser.
Frühbesteller belohnen: Je früher bestellt, desto preiswerter
Das Prinzip der Frühbucher kennt man von Reisebüros, Fluggesellschaften und der Bahn. Übertrage es auf deinen Restaurantbetrieb: Biete deinen Kunden an, je früher sie per Vorauskasse bestellen, desto günstiger sind die Speisen — ob im Restaurant serviert, abgeholt oder zugestellt.
Dieses System lässt sich verfeinern, indem du auch die Verkaufszeiten berücksichtigst. Und sollte ein Kunde nicht rechtzeitig erscheinen, bleiben dir Speisen und Geld — denn wie im Luftverkehr wurde ja im Voraus bezahlt. So steuerst du gleichzeitig deine Kapazitätsauslastung und sicherst dir Umsatz.
Kreative Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen
Kooperationen mit lokalen Unternehmen bieten Chancen, die viele Gastronomen übersehen. Hier einige Ideen:
Modehaus-Kooperation: Wenn du freie Plätze oder Ecken im Restaurant hast, arbeite mit einem nahegelegenen Modehaus zusammen. Eine Schaufensterpuppe mit den neuesten Kreationen wird zum Blickfang und Gesprächsstarter — und das Modehaus bewirbt im Gegenzug dein Restaurant.
Galerie-Partnerschaft: Platziere Kunstwerke einer lokalen Galerie in deinem Restaurant. Kunst regt Gäste zum Gespräch an und schafft eine besondere Atmosphäre. Eine Variante: Trennwände oder Raumteiler von Künstlern gestalten lassen — praktisch und ästhetisch zugleich.
Kontaktloses und innovatives Bestellen
Innovative Bestellkonzepte können dein Restaurant von der Konkurrenz abheben und gleichzeitig den Betrieb effizienter machen:
In Berlin hat das Data-Kitchen in Zusammenarbeit mit SAP eine sogenannte "Food Wall" errichtet. Der Tisch und die Speisen werden für einen bestimmten Zeitpunkt per App oder Internet reserviert und bezahlt. Der Gast kommt zur vereinbarten Zeit und nimmt sich seine Speisen aus dem Fach.
In Amsterdam setzt Mediamatic ETEN auf "Chambre Separée". Dort speist man zu zweit in Mini-Gewächshäusern am Wasser. Die Speisen werden auf langen Brettern hereingereicht — ein einzigartiges Erlebnis, das Exklusivität und Privatsphäre bietet.
Kreativen Ideen sind keine Grenzen gesetzt — und kombiniert mit gutem Restaurant Marketing lässt sich jede Phase besser meistern. Wer in schwierigen Zeiten innovativ handelt, baut sich einen Vorsprung auf, der auch in guten Zeiten Bestand hat.




