Marketing & Gäste

Jollibee: Wie eine philippinische Eisdiele McDonald's in seinem eigenen Markt besiegte — und jetzt die Welt erobert

Auf den Philippinen weinen erwachsene Männer in einer Fast-Food-Filiale.

Michael Krause
Michael Krause
30. Januar 202618 Min. Lesezeit
Jollibee: Wie eine philippinische Eisdiele McDonald's in seinem eigenen Markt besiegte — und jetzt die Welt erobert

Auf den Philippinen weinen erwachsene Männer in einer Fast-Food-Filiale.

Nicht weil das Essen schlecht ist. Sondern weil es nach Zuhause schmeckt.

Jollibee. Eine Biene als Maskottchen. Süße Spaghetti mit Hot Dogs. Hähnchen mit Reis statt Pommes. Peach Mango Pie statt Apple Pie.

Klingt absurd? In jedem westlichen Land: ja.

Auf den Philippinen: nationaler Stolz. Über 1.300 Filialen. 54% Marktanteil im Fast-Food-Segment. McDonald's ist die Nummer 2 — mit 17,9%.

Das ist einer der wenigen Märkte weltweit in dem McDonald's nicht Marktführer ist. Und die Kette die ihn verdrängt hat, wurde 1978 als Eisdiele gegründet. Von einem chinesisch-philippinischen Immigrantensohn der Eiscreme verkaufen wollte.

Heute: 9.766 Filialen weltweit. 18 Marken. Knapp 7 Milliarden Dollar System-Wide-Sales. Und am Times Square in New York standen 2022 über 2.500 Menschen in der Schlange — die Ersten ab 20:30 Uhr am Vorabend. Für Hähnchen mit Reis.

Wie hat eine Eisdiele aus Davao City den größten Restaurant-Konzern der Welt geschlagen?

Indem sie eine Sache besser konnte: den eigenen Gast verstehen.

Was du in diesem Artikel lernst:

  • Wie Tony Tan Caktiong von Eiscreme zu süßer Spaghetti mit Hot Dogs wechselte — und damit ein Imperium baute
  • Warum McDonald's auf den Philippinen trotz besserem System verlor
  • Die Diaspora-Strategie: Wie Jollibee in jedem neuen Land sofort Kunden hat
  • 5 Lektionen die du in deinem Restaurant umsetzen kannst — egal ob du Schnitzel oder Currywurst servierst
Was Warum das wichtig ist
54% vs 17,9% Marktanteil Lokales Verständnis schlägt globale Marke
Diaspora-First-Strategie Du brauchst nicht ALLE — du brauchst die RICHTIGEN zuerst
Chickenjoy: #1 Fried Chicken USA (USA Today) Ein Produkt das emotional aufgeladen ist schlägt jedes Werbebudget
70% Nicht-Filipinos in neuen UK-Filialen Was als Nische startet kann zum Mainstream werden
9.766 Filialen aus einer Eisdiele Verstehen ist wichtiger als Kapital

1978: Von Eiscreme zu süßer Spaghetti mit Hot Dogs

Tony Tan Caktiong war kein Gastronom. Er war der Sohn eines chinesischen Immigranten in Davao City, einer Großstadt im Süden der Philippinen. 1978 eröffnete er mit seiner Familie einen Eiscreme-Laden — inspiriert von einem Franchise-Modell das er in den USA gesehen hatte.

Dann bemerkte er etwas: Die Kunden kauften mehr warme Mahlzeiten als Eis.

Die meisten Unternehmer hätten gesagt: "Wir sind ein Eisladen. Bleib beim Plan."

Tony Tan Caktiong sagte: "Die Kunden zeigen mir was sie wollen. Ich höre zu."

Er schwenkte um. Und erfand "Jolly Spaghetti": Spaghetti in süßer Tomatensauce mit geschnittenen Hot Dogs und Käse.

In Italien: ein Verbrechen an der Pasta. In jedem westlichen Land: mindestens irritierend.

Auf den Philippinen: ein Nationalgericht.

Warum? Weil der philippinische Gaumen süßer ist als der westliche. Weil Hot Dogs dort ein vertrautes Comfort Food sind. Weil Käse auf allem ein Zeichen von Festlichkeit ist. Tony Tan Caktiong wusste das nicht aus einer Marktstudie. Er wusste es weil er Filipino war. Er aß was seine Kunden aßen. Er verstand was sie wollten — nicht was ein Lehrbuch aus Ohio empfahl.

Dazu kam "Chickenjoy": knuspriges Hähnchen mit Reis. Nicht mit Pommes — mit Reis. Weil Filipinos zu jeder Mahlzeit Reis essen. Immer. Ohne Ausnahme.

USA Today hat Chickenjoy zwei Jahre in Folge zum besten Fried Chicken Amerikas gewählt. Nicht weil es objektiv "besser" ist als KFC oder Popeyes. Sondern weil es anders ist — und diese Andersartigkeit genau den Nerv trifft.

Hier steckt die erste Lektion die ich seit 23 Jahren Beratung immer wieder bestätige: Dein Gast sagt dir was er will. Nicht durch Umfragen — durch sein Verhalten. Tony Tan Caktiong hat nicht gefragt "Wollt ihr süße Spaghetti?" Er hat beobachtet dass die Kunden warme Mahlzeiten dem Eis vorzogen. Und dann hat er ihnen gegeben was sie wollten — nicht was er ursprünglich geplant hatte.

Was du jetzt tun kannst: Schau dir deine Bestelldaten der letzten 3 Monate an. Was bestellen deine Gäste am häufigsten? Was lassen sie stehen? Was wird oft als Erstes genannt wenn jemand dein Restaurant empfiehlt? Dein meistbestelltes Gericht ist deine Antwort — nicht das Gericht das du am liebsten kochst. Und wenn dein meistbestelltes Gericht nicht das ist wofür du bekannt sein willst, hast du zwei Optionen: akzeptieren was der Markt sagt — oder herausfinden warum dein Wunschgericht nicht zieht.

McDonald's kommt 1981 — und verliert

1981 eröffnete McDonald's auf den Philippinen. Big Mac, Standard-Menü, US-Rezepte. Das System das in 120 Ländern funktioniert.

Auf den Philippinen funktionierte es nicht.

Nicht weil McDonald's schlecht war. Sondern weil Jollibee besser verstand was Filipinos wollen.

McDonald's brachte den Big Mac — Filipinos wollten Reis. McDonald's brachte Apple Pie — Filipinos wollten Peach Mango Pie. McDonald's brachte einen American Diner — Filipinos wollten ein Familienrestaurant das sich anfühlt wie Zuhause.

Die Zahlen sind eindeutig: Jollibee Foods Corporation hält 30,7% Marktanteil im gesamten philippinischen Foodservice-Markt. McDonald's: 10,3%. Im Fast-Food-Segment: 54% gegen 17,9%. Jollibee hat über 1.300 Filialen auf den Philippinen. McDonald's hat rund 700.

Das ist keine knappe Niederlage. Das ist eine Demütigung für den größten Restaurant-Konzern der Welt. Wohlgemerkt: McDonald's bedient täglich 80 Millionen Kunden in über 40.000 Restaurants — rund 1% der Weltbevölkerung pro Tag. Und auf den Philippinen ist dieses Unternehmen die klare Nummer 2.

Und der Grund ist so simpel dass er fast zu einfach klingt: Jollibee versteht seinen Gast. McDonald's hat ein System exportiert.

McDonald's hat das bessere Franchise-System, die stärkere Marke, das größere Budget, die effizientere Lieferkette. Auf dem Papier hätte Jollibee keine Chance haben dürfen. Aber Marketing funktioniert nicht auf dem Papier — Marketing funktioniert im Kopf und im Bauch des Gastes. Und dort hat Jollibee einen Platz besetzt den McDonald's mit keinem Budget der Welt erobern kann: "Das bin ICH. Das ist MEIN Essen."

Die psychologische Forschung bestätigt das seit Jahrzehnten: Menschen kaufen nicht das objektiv Beste. Sie kaufen das was sich am meisten nach IHNEN anfühlt. Identität schlägt Qualität. Zugehörigkeit schlägt Effizienz. Und "schmeckt wie Zuhause" schlägt "schmeckt wie Amerika."

Dasselbe Muster habe ich in dieser Artikelserie bei Five Guys in Deutschland dokumentiert: Ein US-Konzept 1:1 nach Deutschland gebracht — 60 Millionen Euro kumulierter Verlust. Oder Taco Bell, das in fast jedem Nicht-US-Markt gescheitert ist. Oder Starbucks in Australien, das in einer Nation von Kaffee-Snobs sein Standardrezept durchdrücken wollte und hunderte Filialen schließen musste.

Das Muster ist immer dasselbe: Wer sein Konzept 1:1 exportiert ohne den lokalen Geschmack, die lokalen Gewohnheiten und die lokale Identität zu verstehen, verliert. Egal wie groß das Budget ist.

In der Fachsprache nennt man das Positionierung: Du musst in der Wahrnehmung deiner Gäste einen klaren Platz einnehmen. Jollibee besitzt den Platz "Filipino Comfort Food" auf den Philippinen. McDonald's besitzt den Platz "Amerikanisches Fast Food" — und das ist auf den Philippinen nicht genug.

Was du jetzt tun kannst: Frage dich ehrlich: Bietest du das an was DEINE Gäste wollen — oder das was du für richtig hältst? Der Unterschied entscheidet über 54% Marktanteil oder 17,9%.

Die Diaspora-Strategie: Wie du in jedem neuen Markt sofort Kunden hast

Hier wird es strategisch brillant.

Als Jollibee 1994 begann international zu expandieren, hat die Kette nicht gesagt: "Wir gehen in die USA und sprechen Amerikaner an."

Sie hat gesagt: "4,6 Millionen Filipinos leben in den USA. Die vermissen Jollibee. Wir eröffnen dort wo sie leben."

In Queens, New York. In Daly City bei San Francisco — der Stadt mit dem höchsten Filipino-Anteil in den USA. In Virginia Beach. In den Vororten von Los Angeles.

Überall dort wo philippinische Communities existieren.

Der Effekt: Sofort-Kundenstamm. Vom ersten Tag an. Ohne Werbung. Ohne Erklärung. Ohne "Probier doch mal." Die Filipinos in Queens wissen was Chickenjoy ist. Sie stehen am Eröffnungstag in der Schlange. Manche weinen.

Und dann passiert etwas Erstaunliches: Die Amerikaner in der Nachbarschaft sehen die Schlange. Sehen die Emotionen. Werden neugierig. Stellen sich dazu. Probieren. Und kommen wieder.

Das ist die Diaspora-Strategie: Starte bei denen die dich bereits lieben. Dann lass die Begeisterung auf die Nachbarn überspringen.

Denk darüber nach wie elegant das ist. Jollibee muss in einem neuen Markt kein Marketingbudget verbrennen um seine Zielgruppe zu finden. Die Zielgruppe IST bereits da — 4,6 Millionen Menschen in den USA die genau wissen was Chickenjoy ist. Und sie werden zu den besten Werbebotschaftern die Geld nicht kaufen kann: begeisterte Kunden die ihren amerikanischen Freunden sagen "Du MUSST das probieren."

Weltweit leben über 10 Millionen Filipinos außerhalb der Philippinen. Das ist keine Nische — das ist ein globales Netzwerk von Markenbotschaftern die auf Jollibee WARTEN. In Saudi-Arabien, den Emiraten, Kanada, Australien, Großbritannien. Überall dorthin folgt Jollibee seinen Menschen.

Am Times Square in New York standen im August 2022 über 2.500 Menschen in der Schlange für die Eröffnung einer Jollibee-Filiale. Die Ersten warteten seit 20:30 Uhr am Vorabend. Für Hähnchen mit Reis und süße Spaghetti.

In London verkaufte die West-End-Filiale am Eröffnungstag über 4.000 Chickenjoy-Stücke. In den ersten zwei Wochen: fast 62.000 Stücke, 14.000 Kundenbesuche. Umsatzwachstum im gesamten UK: plus 417%.

Und der entscheidende Datenpunkt: In den neueren britischen Filialen sind bereits 70% der Kunden keine Filipinos mehr. Einheimische Briten die Chickenjoy entdeckt haben — durch Mundpropaganda, Social Media, oder weil sie die Schlange gesehen und gefragt haben: "Was gibt es da?"

Die Nische wird zum Mainstream. Nicht durch Werbung — durch Begeisterung.

Das ist ein Prinzip das ich in meiner Beratung den "Brückenkopf-Ansatz" nenne: Finde die Gruppe die dich bereits liebt — deine Stammgäste, deine Community, deine treuesten Fans. Baue dort eine unerschütterliche Basis auf. Und lass dann die Begeisterung nach außen strahlen.

Meine Coaching-Klienten die dieses Prinzip anwenden — erst die Stammgäste systematisch pflegen, dann Empfehlungen aktivieren — berichten mir regelmäßig von 20-40% Umsatzsteigerung. Nicht durch neue Gäste die über Anzeigen kommen. Durch neue Gäste die über begeisterte Stammgäste kommen.

Es gibt eine spezifische Systematik wie du diese Brückenkopf-Strategie für dein eigenes Restaurant aufbaust — von der Gästedatenbank bis zur gezielten Reaktivierung. Diese Mechanik behandle ich regelmäßig im Newsletter, weil sie ohne die individuellen Betriebszahlen nicht anwendbar ist.

Was du jetzt tun kannst: Identifiziere deine "Diaspora" — die 20% deiner Gäste die dein Restaurant am meisten lieben. Wer sind sie? Was verbindet sie? Und was tust du aktiv um ihre Begeisterung nach außen zu tragen?


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9.766 Filialen, 18 Marken — und Deutschland ist der nächste Markt

Jollibee Foods Corporation ist längst kein einzelner Hähnchen-Laden mehr. Das Unternehmen betreibt 18 Marken mit insgesamt 9.766 Filialen weltweit — darunter Smashburger (USA), The Coffee Bean & Tea Leaf (24 Länder), Tim Ho Wan (Dim Sum, 11 Länder), Highlands Coffee (Vietnam), und seit 2024 die südkoreanische Kette Compose Coffee mit über 2.600 Standorten.

Der Umsatz 2024: knapp 270 Milliarden PHP, rund 4,7 Milliarden Dollar konsolidiert. System-Wide-Sales: 390 Milliarden PHP — knapp 7 Milliarden Dollar. Nettogewinn: zum ersten Mal über die 10-Milliarden-PHP-Marke.

Tony Tan Caktiong, der ehemalige Eiscreme-Verkäufer, wird von Forbes 2026 mit 1,1 Milliarden Dollar Vermögen gelistet. Sein Höchstwert lag bei 3,2 Milliarden — er hat gezeigt dass Gastronomie kein Kleinstunternehmer-Geschäft sein muss. Ein Eiscreme-Laden in einer philippinischen Provinzstadt kann ein globales Imperium werden. Wenn der Gründer eine Sache besser kann als alle anderen: zuhören.

In Europa betreibt Jollibee derzeit 15 Standorte — 12 in Großbritannien, 2 in Italien, 1 in Spanien. Das erklärte Ziel: 50 Filialen in Europa innerhalb von 5 Jahren. Deutschland ist als zukünftiger Markt explizit benannt.

In den USA: aktuell 107 Standorte, Ziel 150 bis Ende 2026, 500 bis 2030. Ein US-Börsengang der internationalen Sparte ist bis 2027 geplant.

In Deutschland leben rund 36.000 philippinische Staatsangehörige plus geschätzte 30.000 eingebürgerte Filipinos — zusammen etwa 66.000 Menschen. Das klingt nach einer kleinen Zahl. Aber erinnere dich an die Diaspora-Strategie: In London reichten anfangs wenige tausend Filipinos als Brückenkopf. Heute sind 70% der Kunden Nicht-Filipinos.

Für dich als deutschen Gastronomen ist die Frage nicht ob Jollibee kommt. Die Frage ist was du aus ihrer Strategie für DEIN Restaurant mitnehmen kannst — ohne eine Biene als Maskottchen zu brauchen.

Was du jetzt tun kannst: Frage dich: Wer ist MEINE Community? Welche Gruppe von Menschen liebt mein Restaurant so sehr dass sie weinen würden wenn es schließt? Wenn du diese Gruppe nicht kennst — oder sie nicht existiert — dann hast du kein Produkt-Problem. Du hast ein Identitäts-Problem.

Was du als Gastronom daraus lernst — 5 Lektionen

Lektion 1: Verstehe deinen Gast besser als die Konkurrenz — und du schlägst jeden

Jollibee hat McDonald's nicht mit mehr Geld geschlagen. Nicht mit besserem Marketing. Nicht mit einem besseren System. Sondern mit einem tieferen Verständnis dafür was philippinische Gäste wollen.

Das ist übertragbar: Kennst du den Geschmack, die Gewohnheiten, die Erwartungen deines Gastes besser als die Franchise-Kette drei Straßen weiter? Wenn ja, hast du deinen stärksten Wettbewerbsvorteil. Wenn nein, beginne damit deine Zielgruppe wirklich zu definieren — nicht in demografischen Daten, sondern in Gewohnheiten und Emotionen.

Lektion 2: "Komisch" für andere kann perfekt für deine Gäste sein

Süße Spaghetti mit Hot Dogs: absurd für Italiener, perfekt für Filipinos. Hähnchen mit Reis statt Pommes: ungewöhnlich für Amerikaner, selbstverständlich für Filipinos.

Dein "ungewöhnliches" Gericht das der Kollege belächelt — vielleicht ist es genau das was deine Stammgäste lieben. Hör nicht auf die Branche. Hör auf deine Gäste.

Ich habe Coaching-Klienten die Gerichte auf der Karte haben die kein Gastronom-Kollege ernst nehmen würde — aber die 40% des Umsatzes ausmachen. Weil sie genau den Nerv ihrer Zielgruppe treffen. Das ist kein Zufall. Das ist Verständnis.

Lektion 3: Deine Community ist dein erster Markt

Jollibee startet in jeder Stadt bei der philippinischen Community. Erst wenn die Basis steht, kommen die Neugierigen dazu.

Hast du eine Community die dein Restaurant liebt? Türkische Familien? Studenten? Sportvereine? Business-Lunch-Stammgäste? Die Senioren-Runde am Mittwochvormittag? Starte dort. Pflege sie. Mach sie zu Fans. Und dann lass ihre Begeisterung die Arbeit tun.

Der teuerste Weg neue Gäste zu gewinnen ist Werbung — das belegen die Zahlen eindeutig. Die meisten Gastronomen geben ihr gesamtes Budget für Neukunden aus, obwohl das der teuerste der vier Wachstumshebel ist. Der günstigste: Empfehlungen begeisterter Stammgäste. Jollibee hat daraus ein globales Expansionsmodell gebaut. Du kannst daraus ein lokales Wachstumsmodell bauen — in deiner Stadt, in deinem Viertel, an deinem Stammtisch.

Lektion 4: Die Emotion schlägt das Produkt

Filipinos in New York weinen wenn sie Jollibee sehen. Nicht weil Chickenjoy objektiv das beste Hähnchen der Welt ist — sondern weil es nach Zuhause schmeckt. Nach Kindheit. Nach Familie. Nach dem Geruch der Küche in Manila.

Jollibee hat das verstanden und setzt Emotionen systematisch ein — sogar in der Werbung. Ihre Valentine's-Day-Werbefilme gehen regelmäßig viral: Geschichten über Liebe, Familie, Heimweh. Millionen Views, Menschen die vor ihrem Bildschirm weinen — wegen einer FAST-FOOD-Werbung. Das ist keine Marketing-Technik. Das ist eine emotionale Verbindung die so tief geht dass sie jede rationale Preisdiskussion überflüssig macht.

Was in deinem Restaurant schmeckt nach Zuhause für deinen Gast? Das Schnitzel wie bei Oma? Die Pasta wie beim ersten Italien-Urlaub? Der Duft von frischem Brot der durch den Gastraum zieht?

Wenn du diese emotionale Verbindung schaffst, wirst du unersetzlich. Kein Gutschein, kein Rabatt und kein neues Restaurant in der Nachbarschaft kann eine emotionale Bindung brechen. Das ist der Unterschied zwischen einem Kunden und einem Fan. Und ein Fan ist laut unserer Analyse in dieser Serie zwischen 3.000 und 8.000 Euro wert — über seine Lebensdauer als Stammgast.

Lektion 5: Kopiere nie 1:1 — verstehe den Markt

McDonald's kopierte sein US-Menü auf die Philippinen — und verlor. Five Guys kopierte sein US-Konzept nach Deutschland — und verlor. Taco Bell versuchte es in dutzenden Märkten mit dem US-Original — und scheiterte fast überall.

Jollibee hingegen passt sich an: In den USA verkauft Jollibee mittlerweile auch Burger und Thunfisch-Pies, weil der amerikanische Gaumen das erwartet. Ohne die Kernprodukte aufzugeben.

Die Lektion: Kopiere kein Konzept das woanders funktioniert. Verstehe WARUM es dort funktioniert — und übersetze das Prinzip für deinen Markt. Die Gastronomen die scheitern kopieren Gerichte. Die Gastronomen die Erfolg haben kopieren Prinzipien.

Wenn du die 4 GastroInsider Wachstumsfaktoren kennst weißt du: Jede Aktion muss zu DEINEM Gast passen — nicht zum Gast eines anderen Restaurants in einem anderen Land.


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Die komplette Serie: 50 Ketten, 1 Wahrheit: Warum Restaurants scheitern und überleben

Häufige Fragen

Kann man die Jollibee-Strategie auf ein deutsches Restaurant übertragen?

Die Strategie — ja. Die Produkte — nein. Du wirst keine süßen Spaghetti mit Hot Dogs in Freiburg servieren. Aber du kannst den Grundsatz übernehmen: Verstehe was DEIN Gast will, nicht was die Branche für richtig hält. Beobachte Bestellmuster. Höre zu. Und gib deinen Gästen das was sie tatsächlich bestellen — nicht das was auf dem Papier elegant aussieht.

Funktioniert die Diaspora-Strategie auch ohne eine ethnische Community?

Absolut. "Diaspora" heißt in diesem Kontext: eine Gruppe von Menschen die dein Restaurant bereits liebt und bereit ist darüber zu reden. Das können türkische Familien sein, aber genauso Büroarbeiter aus dem Nachbargebäude, Sportvereine oder die Mütter-Clique nach dem Yoga. Jede loyale Gruppe ist eine Diaspora — und dein erster Wachstumsmotor.

Wie wichtig ist es ein "ungewöhnliches" Signature-Gericht zu haben?

Entscheidend. Jollibee hat Chickenjoy und Jolly Spaghetti. Texas Roadhouse hat Brötchen mit Zimtbutter. Cracker Barrel hat den Country Store. Du brauchst etwas das dein Gast nirgendwo sonst bekommt — und worüber er reden kann. Es muss nicht "ungewöhnlich" im Sinne von exotisch sein. Es muss einzigartig für DICH sein.

Warum hat McDonald's auf den Philippinen trotzdem so viele Filialen?

McDonald's ist mit rund 700 Filialen nach wie vor ein großer Player auf den Philippinen — nur eben die klare Nummer 2. Das zeigt: Ein gutes System kann auch ohne perfektes lokales Verständnis profitabel sein. Aber es zeigt auch: Gegen einen Wettbewerber der den Gast BESSER versteht, reicht das beste System der Welt nicht für Platz 1. Und Platz 1 ist dort wo die Marge am höchsten ist.

Wird Jollibee nach Deutschland kommen?

Wahrscheinlich — aber nicht morgen. Jollibee hat Deutschland als zukünftigen Markt explizit benannt, aber der Fokus liegt aktuell auf UK (12 Standorte, Beschleunigung ab 2026) und USA (107 Standorte, Ziel 500 bis 2030). Mit rund 66.000 Filipinos in Deutschland gibt es eine Basis — aber kleiner als in UK (250.000) oder USA (4,6 Millionen). Rechne mit 2028-2030 für die ersten deutschen Standorte.

Was kann ich SOFORT umsetzen ohne großes Budget?

Drei Dinge: Erstens — identifiziere deine 10 treuesten Stammgäste und lade sie zu einem kleinen Tasting-Event ein. Frage sie: "Was liebt ihr an uns? Was fehlt euch?" Die Antworten sind Gold. Zweitens — finde dein "Chickenjoy": das eine Gericht das deine Gäste nirgendwo sonst bekommen und über das sie reden. Wenn du keins hast, erfinde eins. Drittens — bitte deine treuesten Gäste aktiv um eine Google-Bewertung. Nicht mit einem Schild, sondern persönlich, am Tisch, nach einem guten Abend. Das kostet null Euro und ist der stärkste Bewertungs-Boost den es gibt.

Fazit: Du brauchst kein globales System — du brauchst lokales Verständnis

Tony Tan Caktiong hatte kein Geld, kein System, keine Erfahrung. Was er hatte: Augen und Ohren. Er beobachtete dass seine Kunden warme Mahlzeiten dem Eis vorzogen — und hörte auf das was sie ihm zeigten statt an seinem Plan festzuhalten.

McDonald's kam mit einem perfekten System. Jollibee antwortete mit perfektem Verständnis. Verständnis gewann.

Die gleiche Dynamik existiert in jeder deutschen Stadt. Die Franchise-Kette drei Straßen weiter hat das bessere System, das größere Budget, die stärkere Marke. Aber du hast etwas das sie nie haben wird: Du kennst deine Gäste. Du weißt wie Herr Müller seinen Kaffee trinkt. Du weißt dass Frau Schmidt immer den Fenstertisch will. Du weißt dass die Sportgruppe am Dienstag ein Bier mehr bestellt wenn sie gewonnen hat.

Dieses Wissen ist dein Chickenjoy. Es ist das was keine Kette der Welt replizieren kann. Nicht McDonald's, nicht Lieferando, nicht der neue Franchise-Laden am Marktplatz.

In einer Zeit in der 52% der Deutschen wegen der Preise seltener essen gehen und unabhängige Betriebe in 7 Jahren 20 Prozentpunkte Marktanteil verloren haben, ist lokales Verständnis kein Nice-to-have. Es ist deine einzige dauerhafte Verteidigung. Und gleichzeitig dein stärkster Angriff.

Die Frage ist nur ob du es nutzt.

Wenn du Unterstützung brauchst um dein lokales Verständnis in ein Marketing-System zu übersetzen das messbar Gäste bringt — dann ist ein Strategiegespräch der richtige nächste Schritt. → Kostenfreies Strategiegespräch vereinbaren

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Süße Spaghetti mit Hot Dogs klingen verrückt. Bis du verstehst für wen sie gemacht sind. Dann klingen sie nach 54% Marktanteil.


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