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Retail im Restaurant: Der dritte Umsatzstrom den fast niemand nutzt

Dein Koch macht jeden Morgen eine Vinaigrette. Jeden Tag. Seit Jahren.

Michael Krause
Michael Krause
26. März 202617 Min. Lesezeit
Retail im Restaurant: Der dritte Umsatzstrom den fast niemand nutzt

Dein Koch macht jeden Morgen eine Vinaigrette. Jeden Tag. Seit Jahren.

Was passiert mit dem Rest? Weg.

Was könnte damit passieren? In ein Glas, Etikett drauf, 8 Euro, auf den Tisch beim Eingang. 20 Gäste pro Woche nehmen eins mit. 160 Euro pro Woche. 8.000 Euro pro Jahr.

Aus einer Vinaigrette die du ohnehin schon machst.

Eine Café-Besitzerin die ich über einen Kollegen kenne betreibt ein 180 Quadratmeter großes Café in einem normalen Stadtteil — keine Promi-Küche, keine Designerregale, IKEA-Möbel. Sie hat verstanden was die meisten Gastronomen nicht einmal als Möglichkeit betrachten. Retail-Umsatz von über 2 Millionen Dollar in 7,5 Jahren. Ein Drittel davon in sechs Weihnachtswochen.

Die Frage ist nicht ob du das auch kannst. Die Frage ist: Warum machst du es nicht schon?

Was du in diesem Artikel lernst:

  • Warum Retail-Produkte höhere Margen bringen als Essen auf dem Teller
  • Welche Produkte sich in DEINER Küche bereits anbieten — sortiert nach Küchentyp
  • Wie du mit 3 Produkten und 50 Euro in 30 Tagen startest — ohne Risiko
  • Warum Verpackung mehr verkauft als das Produkt selbst — und wie du für 10 Cent Mehraufwand 30-40% höhere Preise erzielst
  • Den Jahres-Retail-Kalender: Was du wann verkaufst — und warum Weihnachten allein 30-35% des Jahresretail-Umsatzes ausmacht
WasWarum das wichtig ist
75–85% Marge bei Retail-ProduktenHöher als bei Essen (65–72%) — aus Zutaten die ohnehin vorhanden sind
50 € Startinvestition30 Gläser × 8 € = 240 € Umsatz. Minus 50 € Kosten = 190 € Gewinn. Von einem Tisch.
Band für 10 Cent = +30–40% PreisPackaging verkauft mehr als das Produkt — Psychologie, keine Magie
Weihnachten = 30–35% JahresumsatzIn 6 Wochen was andere in 4 Monaten verdienen — wenn du es planst
Vatertag: +82% Umsatz durch BBQ-SetsDer am meisten unterschätzte Retail-Anlass des Jahres
Erlebnis-Verlängerung: Glas = MarketingGast isst dein Pesto zuhause → erinnert sich → kommt wieder. Marketing das du verkaufst.

Du produzierst bereits — du verkaufst nur nicht

Lass mich dir eine Bestandsaufnahme deiner Küche machen.

Du hast eine Hausmarinade. Du hast ein Hausdressing. Du hast eine Soße die deine Stammgäste jedes Mal loben. Vielleicht hast du eine Gewürzmischung die du selbst entwickelt hast. Vielleicht eine Marmelade für das Frühstück, ein Senf-Rezept das dich stolz macht, oder ein Pesto das besser schmeckt als jedes gekaufte.

All das produzierst du. Jeden Tag oder jeden Monat. Als Teil deines normalen Betriebs.

Was passiert damit? Es wird verbraucht. Oder es wird weggeworfen wenn die Charge zu groß war. Oder es bleibt unsichtbar — etwas das nur existiert wenn ein Gast zufällig danach fragt.

Und jetzt stell dir vor: Dieses Pesto steht in einem sauberen Glas mit einem schönen Etikett auf einem kleinen Regal am Eingang deines Restaurants. Preis: 9 Euro. Preis um das Glas herzustellen — mit Zutaten die du ohnehin kaufst: etwa 1,80 Euro.

Marge: über 80 Prozent. Das ist die höchste Marge auf deiner gesamten Preisliste.

Tetsuya Wakuda. Gordon Ramsay. Jamie Oliver. Thomas Keller. Alle haben eines gemeinsam: Sie verkaufen eigene Produkte — Bücher, Soßen, Gewürze, Olivenöle. Nicht weil sie berühmt sind. Sie sind auch deshalb berühmt — weil sie verstanden haben dass das Restaurant nicht der einzige Ort ist wo sie ihre Küche verkaufen können.

Du musst kein Fernsehkoch sein um das zu machen. Du musst ein Café in einem normalen Stadtteil haben, IKEA-Regale aufstellen, und deinen Gästen das Beste mitnehmen lassen was deine Küche produziert.

Die Erlebnis-Verlängerung:

Wenn ein Gast dein Pesto kauft und es am nächsten Abend zuhause isst, passiert etwas Ungewöhnliches: Er denkt an dein Restaurant. Nicht weil er eine Anzeige sieht. Nicht weil du ihm einen Newsletter geschickt hast. Sondern weil dein Produkt auf seinem Tisch steht und sein Essen nach deiner Küche schmeckt.

Das ist Marketing das du verkaufst statt bezahlst.

Jedes verkaufte Glas ist eine physische Erinnerung an dein Restaurant. Es steht im Kühlschrank. Es wird gesehen. Es wird benutzt. Und wenn es leer ist, denkt der Gast: "Das muss ich nochmal kaufen. Ich gehe bald wieder hin."

Was du jetzt tun kannst: Schreibe drei Produkte auf die du in deiner Küche ohnehin produzierst — Soßen, Marinaden, Dressings, Aufstriche. Das sind deine Kandidaten für den 30-Tage-Test.

Welche Produkte sich verkaufen — sortiert nach deiner Küche

Nicht jedes Produkt eignet sich für den Verkauf. Das Entscheidende ist nicht was du gerne produzieren würdest — sondern was deine Gäste kaufen und was sich für den Heimgebrauch eignet.

Die wichtigsten Kriterien: Haltbarkeit mindestens vier Wochen. Einfach zu Hause zu verwenden. Geschenktauglich — sieht gut aus, braucht keine Erklärung. Und: etwas das du erkennbar machst, das spezifisch für DEIN Restaurant ist.

Italienische Küche:

Das Pesto ist der Klassiker — Basilikum, Tomate, Bärlauch je nach Saison. Hausgemachte Pasta-Sauce. Bruschetta-Aufstrich. Olivenöl mit eigener Kräuterinfusion. Trüffel-Salz. Alle diese Produkte haben einen Eigengeschmack der sich vom Supermarkt-Standard unterscheidet — und genau das ist der Kaufgrund.

Deutsch-österreichische Küche:

Eigener Senf ist der unterschätzte Star in dieser Kategorie. Ein Gastronom der seinen Hausenf im Glas verkauft, hat ein Produkt das Gäste jahrelang kaufen — weil es nicht woanders erhältlich ist. Dazu: Chutneys, Marmeladen, Gewürzsalze, Wildkräuter-Aufstriche, Sauer-eingelegtes nach Hausrezept.

Asiatische Küche:

Chili-Sauce im Hausstil. Eigene Würzpaste. Teriyaki. Sambal. In dieser Kategorie kaufen Gäste häufig weil die Originalrezepte mit Zutaten arbeiten die sie selbst nicht finden würden — das macht dein Produkt unersetzlich.

Mediterrane Küche:

Hummus der hält. Tapenade. Eingelegte Oliven in Eigenkomposition. Kräuteröl. Diese Produkte haben den Vorteil dass sie visuell attraktiv sind — ein gutes Glas mit eingelegten Oliven sieht aus wie ein Geschenk.

Für JEDE Küche:

Drei Produkte die unabhängig vom Küchenstil funktionieren: Deine Gewürzmischung ("Das Geheimnis unserer Küche" ist der meistgekaufte Produkttyp in jeder Kategorie). Ein eigenes Salatdressing. Eine BBQ-Sauce oder Grillmarinade.

Wer kauft und warum:

Frauen kaufen für Männer — BBQ-Sets, Chili-Soßen, kräftige Gewürze. Das ist kein Klischee, das ist Verkaufspsychologie: Frauen sind die häufigsten Käufer von Geschenken für ihre Partner, und kulinarische Produkte mit klarer Botschaft ("Für den Grillmeister") sind einfach zu schenken.

Frauen kaufen auch für andere Frauen — Aufstriche, Marmeladen, Tee-Begleitungen. Kleingeschenke für Nachbarinnen, Freundinnen, Lehrerinnen, Kolleginnen.

Stammgäste kaufen ihr Lieblingsprodukt zum Mitnehmen. "Das Dressing das ich immer bestelle — kann ich das kaufen?" ist der häufigste Einstieg in Retail für Restaurants die noch nie daran gedacht haben.

Touristen kaufen Mitbringsel. Ein Produkt mit deinem Restaurantnamen drauf das nach der Region schmeckt ist das authentischere Souvenir als jeder Flughafenstand.

Start mit 3 Produkten in 30 Tagen — ohne Risiko

Das ist der Abschnitt der über Umsetzen entscheidet.

Es gibt einen Grund warum so wenige Restaurants Retail-Produkte verkaufen obwohl der Ansatz offensichtlich funktioniert: Die meisten denken es sei ein großes Projekt. Neues Gewerbe, neue Genehmigungen, neue Produktion, neues Personal, neues Regal, neues Konzept.

Es ist keins davon.

Es ist ein Tisch beim Eingang. Drei Gläser. Und ein Test.

Woche 1 — Das eine Produkt:

Wähle das Produkt das du ohnehin produzierst und das am besten zu deiner Küche passt. Nicht das komplexeste. Nicht das aufwändigste. Das einfachste das einen echten Eigengeschmack hat.

Produziere eine kleine Charge: 20 bis 30 Einheiten. Verwende Standardgläser die du günstig kaufst. Erstelle ein einfaches Etikett — es muss nicht professionell designt sein, es muss nur sauber und lesbar sein. Restaurantname, Produktname, Zutaten, Mindesthaltbarkeitsdatum.

Stelle die Gläser auf einen kleinen Tisch oder ein Brett am Eingang. Preis: zwei bis dreimal deine Produktionskosten.

Woche 2 — Die Kostprobe:

Das ist der wichtigste Schritt. Kein Produkt verkauft sich besser als nach einer Kostprobe.

Bring kleine Löffel mit Kostproben an die Tische. "Das ist unser neues Hausdressing — wir würden gerne wissen was Sie davon halten." Nicht "Wollen Sie kaufen?" — sondern "Was meinen Sie?" Die Meinung fragen schafft Verbindung, der Kauf folgt von selbst.

In nahezu jedem Fall gilt: Wer probiert kauft. Die Conversion-Rate bei Kostproben liegt typisch bei 30 bis 50 Prozent. Aus 20 Kostproben werden 6 bis 10 Käufe. Ohne ein einziges Verkaufsgespräch.

Woche 3 — Preis und Feedback:

Schau dir die Reaktionen an. Kaufen Gäste spontan? Fragen sie nach dem Preis? Sagen sie "zu teuer" (selten) oder "das nehme ich" (häufiger als erwartet)?

Wenn die ersten 20 Gläser in einer Woche weg sind: erhöhe den Preis. Wenn 10 noch stehen: Kostproben intensivieren.

Woche 4 — Ausbau:

Wähle ein zweites und drittes Produkt. Plane sie so dass sie sich ergänzen — nicht drei verschiedene Soßen, sondern ein Mix aus Süß (Marmelade, Chutney), Würzig (Soße, Dressing) und Besonders (deine Geheimmischung).

Die Startkosten in der Praxis:

30 Gläser (je nach Größe 0,60 bis 1,20 Euro) = rund 25 Euro. 30 Etiketten (Drucker + Papier oder Etikettendrucker) = etwa 10 Euro. Zutaten — meist aus vorhandenen Warenbeständen gedeckt, selten mehr als 15 Euro extra.

Gesamtinvestition: 50 Euro. Wenn du 30 Gläser zu durchschnittlich 8 Euro verkaufst: 240 Euro Umsatz. Minus 50 Euro Kosten: 190 Euro Gewinn. Von einem Tisch, in einem Monat, ohne zusätzliche Gäste.

Und das ist der konservativste Ansatz. Mit Weihnachtssaison und Geschenkkörben werden aus 190 Euro deutlich mehr.

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Warum Verpackung mehr verkauft als das Produkt selbst

Das ist die Erkenntnis die am stärksten verblüfft — weil sie so simpel ist und so oft unterschätzt wird.

Gleiches Produkt, unterschiedliche Verpackung: Die Verkaufszahl kann sich verdreifachen. Nicht weil das Produkt besser geworden ist. Sondern weil das Gehirn des Käufers entschieden hat dass es mehr wert ist.

"Ein Band für 10 Cent rechtfertigt einen Preisaufschlag von 30 bis 40 Prozent." Das ist keine Verkaufstheorie — das ist gemessenes Kaufverhalten aus dem Retail-Alltag.

Warum das funktioniert:

Ein Glas Marmelade ist ein Lebensmittel. Dasselbe Glas Marmelade mit einem Jutebändchen, einer kleinen Karte mit "Perfekt zum Frühstück — hausgemacht im [Restaurant]" und einem Weihnachtsaufkleber ist ein Geschenk. Menschen zahlen für Geschenke mehr als für Lebensmittel — weil sie nicht nur das Produkt kaufen, sondern das Gefühl, jemandem etwas Schönes zu schenken.

Die Packaging-Grundformel:

Sauberes Etikett mit Restaurantlogo. Eine kurze "Perfekt zu..."-Beschreibung — das gibt dem Käufer die Rechtfertigung für den Kauf und die Idee was er damit macht. Saisonales Element: Weihnachtsband im Dezember, Frühlingsband im April, Jute im Sommer.

Das ist alles. Kein aufwendiges Design, kein Drucker der vierstellig kostet.

Die Geschenkkorb-Strategie — der Umsatzturbo:

Der nächste Schritt nach den Einzelprodukten ist der Hamper — der Geschenkkorb.

Das Prinzip ist so alt wie der Handel und funktioniert immer noch: Drei Produkte zusammen verkaufen sich besser als drei Produkte einzeln — und zu einem höheren Preis.

Themen-Sets die funktionieren: "Der BBQ-Liebhaber" — deine Grillsauce, ein Gewürzsalz, deine Marinade in drei kleinen Gläsern. "Das Frühstücks-Set" — Marmelade, Honig, ein Aufstrich. "Das Dessert-Paket" — Schokoladensauce, Rumkugeln, ein Likörprodukt.

Die Magie liegt in einem einzigen Satz: "Pick your three favourites — wir stellen den Korb zusammen."

Der Gast wird zum Kurator seiner eigenen Zusammenstellung. Er wählt selbst, er fühlt sich verantwortlich für das Geschenk — und er zahlt bereitwillig einen Premium-Preis weil es "sein" Korb ist. Drei Produkte für zusammen 24 Euro: Im Korb mit Band und Karte: 35 bis 40 Euro. Gäste zahlen das gerne — weil das Geschenk fertig ist und nichts mehr eingekauft werden muss.

Und der Gratis-Einpackservice macht den Unterschied: Wer kein Einpackpapier kaufen, keinen Korb suchen und keine Zeit investieren muss, kauft mehr. Viel mehr.

"In guten Jahren — in Tausenden von Hampers zu Weihnachten." So hat die Café-Besitzerin ihren Dezember beschrieben.

Die drei Produkte die sich in JEDEM Restauranttyp verkaufen — unabhängig von Küchenstil und Standort — und die konkrete Packaging-Schritt-für-Schritt-Anleitung (Materialkosten, Lieferanten, Beschriftung) sind ein fester Teil des Newsletters. Denn die Details entscheiden ob aus einem Glas ein Käufer wird.

Der Jahres-Retail-Kalender: Wann du was verkaufst

Retail ist kein Selbstläufer der das ganze Jahr gleichmäßig läuft. Es gibt Hochphasen, Tiefphasen, und Anlässe die du gezielt nutzen kannst — wenn du sie planst.

Wer das nicht plant, verdient einen Bruchteil von dem der es tut.

Weihnachten (November bis Dezember): 30 bis 35 Prozent des Jahres-Retail-Umsatzes in 6 Wochen

Das ist die Zahl die alles ändert. Sechs Wochen im Jahr bringen ein Drittel des Gesamtumsatzes — wenn du dich darauf vorbereitest.

Was du planst: Hamper in drei Preisklassen (günstig für Schnellentschlossene, mittel für den Durchschnittskauf, teuer für "das beste Geschenk des Jahres"). Weihnachtsspezifische Produkte: Glühweingewürz, Stollenschnitten, Lebkuchen-Gewürzmischung, Plätzchen im Glas. Gratis-Einpackservice der aus einem Kauf ein Erlebnis macht.

Plane die Produktion bereits im Oktober. Was du im Oktober nicht eingekauft, pasteurisiert und eingelagert hast, fehlt dir im Dezember wenn die Nachfrage kommt.

Valentinstag (Februar):

Schokoladenprodukte, Dessert-Begleiter, Chili-Sets für Männer ("Für den Mann der es gerne scharf mag" — das schreibt sich selbst). Kleine Pakete in roten Farben. Preisniveau: eher günstig bis mittel, die meisten Valentinstag-Käufe sind Impulskäufe.

Ostern (März/April):

Schokoladen-Trüffel, Lamm-Begleitung (Rosmarin-Öl, Kräutermischungen), Oster-Hamper. Der Frühling bringt frische Pestos und Kräuteröle in die Saison.

Muttertag (Mai):

Frühstücks-Sets, hochwertige Aufstriche, Tee-Begleitung. Frauen kaufen für Frauen — die Packungssprache muss stimmen: zart, persönlich, nicht kräftig oder scharf.

Vatertag (Juni):

BBQ-Sets, Grillmarinaden, kräftige Gewürze, Craft-Bier-Begleiter wenn du sie hast. Der Vatertag ist der am meisten unterschätzte Retail-Anlass — Umsatzsteigerung von 82 Prozent durch gezielte Vatertags-Retail-Promotion ist messbar dokumentiert.

Warum so viel? Weil der Muttertag schon bekannt ist für Restaurant-Geschenke. Der Vatertag ist weniger verplant — und Frauen suchen aktiv nach einer guten Idee was sie ihrem Mann schenken. Ein BBQ-Set aus einem Restaurant das er kennt und schätzt: perfekt.

Sommer (Juli/August):

Grillsaucen, frische Konfitüren, Pestos, Kräuteröle. Touristen-Saison in Urlaubsregionen: lokale Produkte als Mitbringsel. Leichtere, frische Produkte.

Herbst (September/Oktober):

Wild-Begleitungen, Kürbis-Chutneys, Pilz-Pasten, Pfifferlings-Soße. Wärmende, kräftige Produkte die zum Herbstessen passen.

Winter außerhalb Weihnachten (Januar/Februar):

Suppen-Pasten, Eintopf-Würzmischungen, herzhafte Chutneys, Wildkräuter-Aufstriche für die schwächeren Monate.

Die Kalkulation: Was bringt Retail wirklich?

Lass uns rechnen — konservativ und dann ambitioniert.

Die Margen im Vergleich:

Ein Hauptgericht mit 28 bis 35 Prozent Wareneinsatz hat eine Bruttomarge von 65 bis 72 Prozent. Das gilt als gut in der Gastronomie.

Ein Retail-Produkt hat typisch 15 bis 25 Prozent Produktionskosten — und das auch nur wenn du Zutaten separat einkaufst. Wenn du ohnehin vorhandene Warenbestände verwendest, sinkt der Kostenanteil noch weiter. Marge: 75 bis 85 Prozent.

Retail-Produkte haben die höchste Marge deiner gesamten Angebotspalette. Das ist kein Zufall — es ist der Vorteil dass du keine Service-Kosten, keine Tischmiete und keine Schicht-Kosten pro Einheit hast.

Weihnachtsgebäck in gehobener Präsentation: Produktionskosten etwa 8 Euro, Verkaufspreis 25 bis 40 Euro — das entspricht 200 bis 300 Prozent Aufschlag. Das ist die höchste Marge die in einem Restaurant überhaupt möglich ist.

Rechenbeispiel konservativ:

20 Produkte pro Woche zu durchschnittlich 10 Euro Verkaufspreis: 200 Euro pro Woche, 10.000 Euro pro Jahr. Minus 20 Prozent Produktionskosten: 8.000 Euro Nettogewinn. Bei null Euro Werbekosten weil die Gäste bereits im Restaurant sind.

Rechenbeispiel mit Weihnachts-Push:

10.000 Euro normaler Jahresretail plus 15.000 Euro Weihnachts-Hamper und saisonale Sonderprodukte: 25.000 Euro Jahresretail-Umsatz. Minus 5.000 Euro Produktionskosten: 20.000 Euro Zusatzgewinn.

Das ist ein Umsatzstrom der parallel zu allem anderen läuft — ohne zusätzliche Gäste, ohne zusätzliche Personalschichten, ohne zusätzliche Marketingkosten.

Der Cross-Selling-Bonus:

Nicht zu quantifizieren aber real: Gäste die für Retail-Produkte in dein Restaurant kommen, bleiben für Kaffee oder Mittagessen. Was als "ich hole schnell das Pesto" beginnt, endet mit einem Cappuccino und einem Stück Kuchen.

Das ist der Umsatz den du nicht messen kannst — aber der trotzdem in der Kasse landet.

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Rechtliches: Was du wissen musst — kurz und pragmatisch

Viele Gastronomen scheitern nicht am Wollen, sondern an der Angst vor dem Bürokratie-Dschungel. Lass mich diesen Irrtum korrigieren.

Was du darfst:

Wenn du eine gaststättenrechtliche Genehmigung hast — also ohnehin als Restaurant oder Café betrieben wirst — darfst du eigene Lebensmittel aus deiner Küche verkaufen. Der Verkauf aus einem bestehenden Gastronomiebetrieb ist durch deine bestehende Genehmigung gedeckt. Du brauchst kein separates Gewerbe.

Was auf dem Etikett sein muss:

Zutatenliste in absteigender Reihenfolge. Allergenkennzeichnung (die 14 Hauptallergene). Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum. Netto-Füllmenge. Name und Anschrift des Herstellers (das bist du). Bei bestimmten Produkttypen und Mengen kommen Nährwertangaben dazu — was genau, klärt das Lebensmittelkennzeichnungsrecht deines Bundeslandes.

Was du nicht brauchst:

Eine separate Betriebsstättenregistrierung wenn du aus deiner bestehenden Gaststättenküche produzierst. Einen zusätzlichen Hygienekurs wenn du bereits in der Gastronomie arbeitest.

Was du tun solltest:

Ruf beim zuständigen Lebensmittelüberwachungsamt an — oder schreib eine kurze E-Mail — und erkläre was du planst. Die meisten Ämter sind kooperativ und froh wenn jemand fragt statt einfach macht. Du bekommst klare Auskunft, kannst eventuelle Besonderheiten deiner Region einplanen, und hast Rechtssicherheit.

"Lass dich nicht von der Bürokratie abschrecken. Die Hürde ist niedriger als du denkst — und niedriger als fast alle Gastronomen glauben."

Häufige Fragen

Was wenn mein Produkt nicht so lange hält?

Dann ist es kein gutes Retail-Produkt — noch nicht. Überarbeite das Rezept mit Konservierungsmethoden die in der Lebensmittelproduktion standard sind: Pasteurisierung, höherer Säureanteil, Zuckerkonzentration bei Marmeladen. Nicht jedes Gericht eignet sich für Retail — aber fast jede Küche hat mindestens drei Zutaten oder Zubereitungen die mit kleinen Anpassungen haltbar werden.

Wie setze ich den Preis fest?

Produktionskosten × 4 bis 5 ist ein guter Einstieg. Dann: Preistest. Stelle das Produkt für zwei Wochen auf und schau ob Gäste zögern oder spontan kaufen. Zögern bei jedem: Preis prüfen. Sofortige Spontankäufe ohne Fragen nach dem Preis: Preis kann steigen. Retail-Produkte im Restaurant werden selten als zu teuer empfunden weil der Kontext (gutes Restaurant, bekannte Qualität) den Preis rechtfertigt.

Muss ich das Produkt selbst herstellen oder darf ich zukaufen?

Du kannst von lokalen Produzenten zukaufen und unter eigenem Label verkaufen — mit allen entsprechenden Kennzeichnungspflichten und der Klarheit was du tust. Aber der größte USP liegt in deinen eigenen Rezepten: Was du kaufen und unter deinem Namen verkaufst, hat weniger Eigencharakter als was du selbst entwickelt hast. Starte mit eigenem, ergänze später mit lokalem Zukauf wenn du das Konzept ausbauen willst.

Was wenn Produkte übrig bleiben?

Erstens: Durch Kostproben die Bestände aktiv abbauen bevor das MHD kommt. Zweitens: Hamper als Resteverwertung — ein Produkt das sich weniger verkauft landet in einem Geschenkkorb der insgesamt attraktiver ist. Drittens: Kleine Chargen am Anfang produzieren. Lieber nach einer Woche nachproduzieren als mit Überschuss dazustehen.

Brauche ich spezielle Abfüllgeräte?

Für den Start nein. Marmeladen, Chutneys und Aufstriche lassen sich in normalen Einmachgläsern herstellen die du in jedem Haushaltswarengeschäft kaufst. Mit wachsendem Volumen lohnen sich günstige Abfüllhilfen die den Prozess beschleunigen — aber das ist ein Problem das du gerne haben willst.

Fazit — Der dritte Strom wartet auf deinem Küchentisch

Du hast zwei Umsatzströme: Essen und Getränke. Beide sind begrenzt durch die Zahl der Tische, die Öffnungszeiten, die Kapazität.

Der dritte Strom hat keine dieser Grenzen.

Er läuft wenn dein Restaurant geschlossen ist — weil das Glas im Kühlschrank des Gastes steht. Er läuft wenn kein Tisch frei ist — weil jemand nur für das Pesto reinkommt. Er läuft ohne zusätzliches Personal, ohne zusätzliche Schicht, ohne zusätzliche Gäste.

Fünf Dinge die du jetzt weißt:

  1. Retail-Produkte haben 75 bis 85 Prozent Marge — höher als jedes Gericht auf deiner Karte.
  2. Der Start kostet 50 Euro: 30 Gläser, 30 Etiketten, Zutaten aus vorhandenen Beständen.
  3. Packaging entscheidet: Ein Band für 10 Cent rechtfertigt 30 bis 40 Prozent höheren Preis.
  4. Weihnachten macht 30 bis 35 Prozent des Jahres-Retail-Umsatzes aus — wer es nicht plant, verschenkt Tausende Euro.
  5. Jedes verkaufte Glas ist Marketing das du verkaufst statt bezahlst: Erlebnis-Verlängerung die Gäste zurückbringt.

Die Café-Besitzerin mit den IKEA-Regalen hat nicht mit 2 Millionen Dollar gestartet. Sie hat mit einem Tisch und drei Gläsern gestartet. Dann hat sie gemessen. Dann hat sie skaliert.

Das ist kein Raketenwissenschaft — das sind drei Gläser, ein Etikett und die Entscheidung es zu tun.

Deine Vinaigrette steht bereits da. Das Glas fehlt noch.

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