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L'Osteria: Wie die Anti-Vapiano zur größten Erfolgsgeschichte der deutschen Systemgastronomie wurde — und warum die Uhr trotzdem tickt

Klaus Rader weiß wie man eine Restaurant-Kette zerstört.

Michael Krause
Michael Krause
26. März 202616 Min. Lesezeit
L'Osteria: Wie die Anti-Vapiano zur größten Erfolgsgeschichte der deutschen Systemgastronomie wurde — und warum die Uhr trotzdem tickt

Klaus Rader weiß wie man eine Restaurant-Kette zerstört.

Er hat Vapiano mitgegründet. 235 Filialen in 33 Ländern. Insolvenz 2020.

Klaus Rader weiß auch wie man eine Restaurant-Kette aufbaut.

Er hat L'Osteria gegründet. Über 200 Filialen in 10 Ländern. Wachsend. Profitabel. Die größte Erfolgsgeschichte der deutschen Systemgastronomie in den letzten 25 Jahren.

Derselbe Mann. Zwei Ketten. Ein Desaster und ein Triumph.

Was hat er beim zweiten Mal anders gemacht?

Fast alles.

L'Osteria ist die EINZIGE deutsche Casual-Dining-Kette die in den letzten 10 Jahren GEWACHSEN ist während alle anderen — Vapiano, Maredo, Sausalitos — geschrumpft oder gestorben sind. Sie ist das Gegenbeispiel zu jeder Kettenpleite in dieser Serie.

Aber es gibt eine Fußnote die niemand gerne liest: Seit 2023 gehört L'Osteria mehrheitlich einem Private-Equity-Fonds. Derselben Art von Eigentümer die Red Lobster, Maredo und dutzende andere Ketten in die Insolvenz getrieben hat.

Die Frage ist nicht OB das Konzept funktioniert. Es funktioniert offensichtlich.

Die Frage ist: Überlebt es den Investor?

Was du in diesem Artikel erfährst:
  • Wie ein 40-Sitzplatz-Restaurant in Nürnberg zur europaweiten Kette wurde
  • Warum der Vapiano-Mitgründer mit L'Osteria ALLES anders machte
  • Was L'Osteria richtig macht das Vapiano falsch gemacht hat — Punkt für Punkt
  • Warum Private Equity die größte Gefahr für das Konzept ist
  • 5 Lektionen die jeder Gastronom mitnehmen muss
WasWarum das wichtig ist
Den Rader-Plot-Twist kennenDu verstehst warum LERNEN aus Fehlern der stärkste Vorteil ist
L'Osteria vs. Vapiano vergleichenDu siehst die konkreten Unterschiede zwischen Erfolg und Scheitern
Die PE-Warnung verstehenDu erkennst das Muster bevor es dein Restaurant trifft

1999: Ein kleines Restaurant mit 40 Sitzplätzen in Nürnberg

Klaus Rader und Friedemann Findeis waren Stammgäste eines kleinen italienischen Restaurants in der Nürnberger Pirckheimer Straße. Als der Besitzer verkaufen wollte, übernahmen sie es. 40 Sitzplätze. Eine Küche. Ein Versprechen: Große Pizza, frische Pasta, italienische Atmosphäre.

Rader brachte den analytischen Blick mit — er war mit 25 Jahren Deutschlands jüngster McDonald's-Franchisenehmer geworden und hatte 6 Filialen betrieben. Er kannte Systeme, Zahlen, Skalierung. Findeis brachte die Leidenschaft mit — emotional, intuitiv, ein Gastronom im Herzen. Rader dachte in Spreadsheets. Findeis dachte in Erlebnissen.

Zusammen bauten sie etwas auf das beides war: systematisch UND menschlich.

Die 45-Zentimeter-Pizza wurde zum Markenzeichen. Nicht weil sie groß ist — sondern weil sie ZUM TEILEN einlädt. Du bestellst eine Pizza mit zwei verschiedenen Hälften, teilst sie mit deinem Gegenüber, und plötzlich ist das Essen ein gemeinsames Erlebnis statt einer individuellen Mahlzeit. "La famiglia" war nicht nur ein Slogan. Es war in die Speisekarte eingebaut.

Die Pasta wird frisch vor Ort zubereitet. Die Küche ist offen — du siehst den Pizzabäcker arbeiten. Der Teig ist vegan. Und es gibt Kellner die an deinen Tisch kommen.

Das klingt selbstverständlich. War es aber nicht. Denn drei Jahre nach der L'Osteria-Gründung machten Rader und Findeis etwas das die Geschichte der deutschen Gastronomie verändern sollte.

Sie gründeten Vapiano.

Der Klaus-Rader-Plot-Twist: McDonald's, Vapiano, L'Osteria — drei Ketten, ein Mann

2002 gründeten Rader und Findeis zusammen mit Mark Korzilius, Kent Hahne und Gregor Gerlach ein neues Konzept: Vapiano. Frische italienische Küche, Selbstbedienung an Stationen, Chipkarten-System, urbanes Design.

Das Konzept explodierte. Vapiano wuchs schnell. Zu schnell. Die Probleme die wir aus der Vapiano-Geschichte kennen — Wartezeiten, Qualitätsschwankungen, eine Identität die niemand in einem Satz erklären konnte — zeichneten sich ab.

Am 25. März 2011 verkauften Rader, Findeis und Hahne ihre Vapiano-Anteile. Vollständig. An Gregor Gerlach und die Familie Sander.

Die Entscheidung war klar: L'Osteria hatte Potential. Vapiano hatte Probleme. Sie wählten das Potential.

Rader hat später in Interviews gesagt dass er die Warnsignale bei Vapiano früh gesehen hatte — die zu schnelle Expansion, die verwässerte Identität, die Priorität auf Standort-Anzahl statt Standort-Qualität. Er wusste: Wenn er L'Osteria aufbauen wollte, musste er ALLE Vapiano-Fehler vermeiden. Systematisch. Punkt für Punkt.

Neun Jahre nach dem Anteilsverkauf, im März 2020, meldete Vapiano Insolvenz an. 235 Filialen in 33 Ländern. Abwicklung. Die Aktionäre und Gläubiger konnten sich nicht einmal auf 36,7 Millionen Euro Liquidität einigen.

L'Osteria? Eröffnete im Februar 2025 sein 200. Restaurant — in Hamburg. Mit einer Finanzierung von 60 Millionen Euro für die weitere Expansion.

Klaus Rader ist einer der wenigen Menschen auf der Welt die den größten Misserfolg UND den größten Erfolg der deutschen Systemgastronomie mitgebaut haben. Und er ist der Einzige der aus dem ersten GELERNT und das zweite BESSER gemacht hat.

Das ist die vielleicht wichtigste Lektion dieser ganzen Serie: Scheitern ist nicht das Ende. Scheitern ist Material. Wenn du bereit bist hinzuschauen.

Was L'Osteria RICHTIG macht — und Vapiano FALSCH gemacht hat

Punkt für Punkt. Derselbe Markt. Dieselbe Küche. Dieselben Gründer. Andere Entscheidungen.

KriteriumL'OsteriaVapiano
ServiceTischservice mit KellnerSelf-Service an Stationen
ErlebnisDu sitzt, bestellst, wirst bedientDu stehst Schlange, trägst dein Essen selbst
Identität"Große Pizza, frische Pasta, la famiglia""Fresh Casual Italian... mit Chipkarte... und Theke... und..."
SpeisekarteFokussiert: Pizza + Pasta + Antipasti49+ Gerichte, ständig erweitert
Expansion10-27 Standorte/Jahr, jeder geprüft30+ Standorte/Jahr, viele unprofitabel
Ergebnis 2026200+ Standorte, ~486 Mio EUR UmsatzInsolvenz 2020, Abwicklung

Der Preis ist bei beiden ähnlich: 12-18 Euro für eine Hauptspeise. Aber bei L'Osteria FÜHLT es sich nach Restaurant an. Bei Vapiano fühlte es sich nach besserer Kantine an.

Der Unterschied war nie das Essen. Es war das Erlebnis.

Tischservice ist kein Kostenposten — er ist ein Wertversprechen. L'Osteria hat Kellner. Die kosten Geld — in Deutschland bei 13,90€ Mindestlohn plus 22% Nebenkosten sind das über 17€ pro Stunde pro Servicekraft. Aber sie machen aus einer Mahlzeit ein Erlebnis. Der Gast wird begrüßt, zum Tisch geführt, beraten, bedient. Vapiano hat die Kellner wegrationalisiert und damit das Einzige entfernt was ein Restaurant von einer Essensausgabe unterscheidet. Die Ersparnis pro Stunde war real. Der Verlust an Gästebindung war größer. Die 45-cm-Pizza als Geschäftsmodell. Die übergroße Pizza ist kein Gimmick — sie ist eine strategische Entscheidung. Eine Pizza für 12-15€ die zwei Personen satt macht, fühlt sich nach hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis an. Der Gast kann zwei verschiedene Hälften bestellen und teilen — das macht aus dem Essen ein gemeinsames Erlebnis. "La famiglia" ist nicht nur auf der Website. Es ist in die Portion eingebaut. Eine fokussierte Karte ist stärker als eine volle. L'Osteria macht Pizza und Pasta. Punkt. Keine Sushi-Variationen. Keine Burger-Experimente. Keine saisonalen Menüwechsel die das Team verwirren und den Einkauf verkomplizieren. Wenn du weißt wofür du stehst, weiß es auch dein Gast. Vapiano wusste am Ende nicht mehr was es war — und der Gast auch nicht. Die Speisekarte war auf 49+ Gerichte gewachsen. Jedes davon mittelmäßig. L'Osteria macht weniger — und jedes einzelne Gericht besser. Die offene Küche als Vertrauensbeweis. Der Gast sieht wie der Pizzabäcker den Teig wirft, wie die Pasta frisch zubereitet wird, wie das Essen entsteht. In einer Zeit in der Gäste skeptischer sind als je zuvor — besonders nach Skandalen wie dem Burger-King-Team-Wallraff-Desaster — ist sichtbare Qualität der mächtigste Vertrauensbeweis den es gibt. Kontrolliertes Wachstum schlägt maximiertes Wachstum. Vapiano eröffnete 30+ Standorte pro Jahr bis es zusammenbrach. L'Osteria eröffnete jahrelang 10-15, prüfte jeden Standort auf Profitabilität, und hat erst 2024 — unter dem neuen Eigentümer — auf 27 Neueröffnungen beschleunigt.

Und genau hier wird es spannend. Denn 27 pro Jahr ist mehr als "kontrolliert". Es ist ambitioniert. Und die Frage ist: Wo liegt die Grenze?

Die Zahlen: 200 Standorte, 486 Millionen Euro — und ein 500er-Ziel

JahrSystemumsatzStandorteUmsatz/Standort
2019~258 Mio EUR~130~2,0 Mio EUR
2022~390 Mio EUR~158~2,5 Mio EUR
2023~439 Mio EUR~175~2,5 Mio EUR
2024~486 Mio EUR~200~2,4 Mio EUR

Wachstum 2019-2024: +88% Systemumsatz. 70 neue Standorte. In 10 Ländern. 2024 wurden 27 neue Restaurants eröffnet — Rekord.

Über 13 Millionen Gäste jährlich. Rund 2,4 Millionen Euro Umsatz pro Standort.

Im Februar 2025 sicherte sich L'Osteria eine 60-Millionen-Euro-Konsortialfinanzierung unter Führung der Deutschen Bank — für die weitere Expansion.

Das offizielle Ziel: 500 Restaurants in Europa bis 2030. Das bedeutet: Mehr als Verdopplung in 5 Jahren. Von 200 auf 500.

Im August 2025 übernahm L'Osteria eine Mehrheitsbeteiligung an Pizza Pilgrims — einer aufstrebenden UK-Kette für neapolitanische Pizza. Die Strategie: Eine europäische "Italian Super Group" aufbauen.

Das ist ambitioniert. Und es ist exakt die Dynamik die bei jeder gescheiterten Kette in dieser Serie den Anfang vom Ende markierte.

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Private Equity: Die Uhr tickt

Im März 2023 kaufte McWin Capital Partners 66% von L'Osteria. Bewertung: rund 400 Millionen Euro. Klaus Rader und Friedemann Findeis behielten 34% als Minderheitsgesellschafter.

Es war der erste Eigentümerwechsel seit der Gründung 1999. Nach 24 Jahren gaben die Gründer die Mehrheit ab.

McWin ist kein unbekannter Name in der Gastronomie: Der Fonds besitzt auch Burger King Deutschland, Dean & David, Gail's (UK), die Big Mamma Group und Sticks 'n' Sushi. Ein Portfolio von über 1 Milliarde Euro Assets under Management.

Bisher hat McWin das Konzept nicht verwässert. Die Expansion wurde beschleunigt (von 15 auf 27 Neueröffnungen pro Jahr), aber die Identität — 45cm Pizza, Tischservice, offene Küche — scheint intakt.

Aber PE-Eigentümer folgen einem Muster. Und dieses Muster kennen wir aus jeder gescheiterten Kette in dieser Serie:

  1. Phase 1 (Jahre 1-3): Investieren. Wachsen. Die Marke stärken. → L'Osteria ist hier.
  2. Phase 2 (Jahre 3-5): Beschleunigen. Mehr Standorte. "Optimieren". Margen drücken.
  3. Phase 3 (Jahre 5-7): EXIT. Verkauf an den nächsten Fonds. Mit Gewinn. Was danach passiert: nicht mehr ihr Problem.

Red Lobster wurde nach dem PE-Exit mit unbezahlbaren Mietverträgen zurückgelassen. Vapiano wurde nach dem Börsengang von Investoren getrieben die Wachstum über Substanz stellten. Maredo wurde fünfmal weiterverkauft bis nichts mehr übrig war.

L'Osteria hat einen Vorteil den diese Ketten nicht hatten: Die Gründer sind noch beteiligt. Mit 34% haben Rader und Findeis eine Stimme. Ob diese Stimme gegen einen 66%-Eigentümer ausreicht wenn der Druck steigt — das wird die Geschichte zeigen.

Die Beschleunigung auf 500 Standorte bis 2030 ist der erste Stresstest. Vapiano funktionierte bis 100 Filialen. Ab 150 begann der Qualitätsverlust. Ab 200 der Zusammenbruch. L'Osteria ist bei 200 und beschleunigt.

Das bedeutet nicht dass L'Osteria scheitern WIRD. Es bedeutet dass die nächsten 3-5 Jahre entscheiden ob die Kultur stark genug ist um dem Expansionsdruck standzuhalten.

5 Lektionen die jeder Gastronom aus L'Osteria mitnehmen muss

Lektion 1: Ein Satz reicht — wenn er stimmt

"Große Pizza, frische Pasta, la famiglia."

Jeder weiß was L'Osteria ist. Sofort. Ohne Erklärung.

Was ist Vapiano? "Fresh Casual Italian... mit Chipkarte... und Theke... und Selbstbedienung... und irgendwie auch Bar..." — Wenn du drei Sätze brauchst, hast du ein Problem.

Was du daraus machst: Kannst du DEIN Restaurant in einem Satz beschreiben? Nicht in einem Absatz. In einem Satz. Wenn ja — hast du eine Identität. Wenn nein — hast du ein Positionierungsproblem. Und ein Positionierungsproblem ist der teuerste Fehler den ein Restaurant machen kann.

Lektion 2: Tischservice ist kein Luxus — er ist der Unterschied

L'Osteria und Vapiano hatten ähnliche Preise. Aber L'Osteria hat Kellner die an deinen Tisch kommen, und Vapiano hatte Schlangen an Stationen.

Der Gast zahlte gleich viel. Aber er FÜHLTE sich bei L'Osteria wie in einem Restaurant — und bei Vapiano wie in einer Mensa mit besserer Einrichtung. Der Kellner nimmt die Bestellung auf, empfiehlt einen Wein, bringt die Pizza an den Tisch, fragt ob alles in Ordnung ist. Das sind 5 Minuten Arbeitszeit. Aber sie machen den Unterschied zwischen "nettes Essen" und "ich komme wieder".

In Deutschland, wo 52% der Gäste wegen Preissteigerungen seltener essen gehen, wird jeder Restaurantbesuch bewusster. Wenn der Gast schon selektiver wählt, dann wählt er das Restaurant das sich nach Restaurant ANFÜHLT. Nicht das das nach Selbstbedienung aussieht.

Was du daraus machst: Jede "Effizienz"-Maßnahme die das Gasterlebnis reduziert, spart kurzfristig Geld und kostet langfristig Gäste. Bevor du Personal streichst oder Prozesse "optimierst": Was verliert der Gast dabei? Wenn die Antwort "nichts" ist — optimiere. Wenn die Antwort "Aufmerksamkeit, Wärme, das Gefühl willkommen zu sein" ist — lass es. Die Harvard-Studie die zeigt dass ein Stern mehr auf Google 5-9% mehr Umsatz bedeutet, gilt auch umgekehrt: Jede Verschlechterung des Erlebnisses schlägt sich in Bewertungen nieder — und Bewertungen schlagen sich im Umsatz nieder.

Lektion 3: Kontrolliertes Wachstum schlägt maximiertes Wachstum

L'Osteria hat 25 Jahre gebraucht um 200 Standorte zu erreichen. Vapiano hat 18 Jahre gebraucht um 235 zu erreichen — und dann Insolvenz angemeldet.

Die Geschwindigkeit war nicht das einzige Problem bei Vapiano. Aber sie war der Katalysator. Jeder neue Standort der nicht profitabel war, zog die gesamte Kette nach unten.

Was du daraus machst: Wenn du über Expansion nachdenkst — ein zweites Restaurant, ein Catering-Arm, ein neues Konzept — stelle EINE Frage: Ist das ERSTE profitabel genug um das ZWEITE zu tragen wenn es schiefgeht? Wenn ja: expandiere. Wenn nein: mach das Erste zuerst besser.

Lektion 4: Lerne von Fehlern — auch von fremden

Rader hat Vapiano mitgebaut. Er hat die Fehler GESEHEN. Er hat sie VERSTANDEN. Und er hat L'Osteria als bewussten Gegenentwurf gebaut. Tischservice statt Theke. Fokussierte Karte statt 49 Gerichte. Kontrolliertes Wachstum statt Wahnsinnstempo. Jede einzelne Entscheidung bei L'Osteria ist eine ANTWORT auf eine Vapiano-Fehlentscheidung.

Du musst nicht selbst scheitern um zu lernen. Du hast in dieser Serie dutzende Ketten-Geschichten — Red Lobster, Burger King, Maredo, Vapiano, Texas Roadhouse, Shake Shack. Jede davon enthält Lektionen die für DEIN Restaurant gelten. Die Frage ist nicht ob du sie liest. Die Frage ist ob du sie ANWENDEST.

Was du daraus machst: Schreib die 3 größten Fehler auf die du bei anderen Gastronomen oder in anderen Restaurants gesehen hast. Dann prüfe ehrlich: Machst du denselben Fehler? Auch nur ansatzweise? Wenn ja — heute ist der Tag das zu ändern.

Lektion 5: Private-Equity-Geld kommt mit Bedingungen

Wenn ein Investor sagt "Ich investiere in dein Restaurant" — frage: "Was willst du in 5 Jahren?" Wenn die Antwort "Exit mit 3× Return" ist, dann wird dein Restaurant optimiert, skaliert und weiterverkauft. Was danach kommt, ist nicht mehr das Problem des Investors.

L'Osteria hat den Vorteil dass die Gründer mit 34% beteiligt bleiben. Ob das reicht wenn McWin in 3-4 Jahren den Exit plant, weiß niemand.

Was du daraus machst: Nicht jeder Investor ist schlecht. Aber jeder Investor hat ein Ziel. Und wenn dieses Ziel nicht mit DEINEM übereinstimmt — lauf. Der 1-Satz-Positionierungs-Test: Kannst du dein Restaurant in einem Satz beschreiben — so dass jeder sofort weiß wofür du stehst? Kostenlos, 3 Minuten, ehrlich. Jetzt den Test machen →

Häufige Fragen zu L'Osteria

Wer hat L'Osteria gegründet?

Klaus Rader und Friedemann Findeis, 1999 in Nürnberg. Rader war zuvor Deutschlands jüngster McDonald's-Franchisenehmer (mit 25, 6 Filialen). Beide waren auch Mitgründer von Vapiano (2002) und verkauften ihre Vapiano-Anteile 2011 um sich auf L'Osteria zu konzentrieren.

Wie viele Standorte hat L'Osteria?

Über 200 (Stand Februar 2025, als das 200. Restaurant in Hamburg eröffnete). Präsenz in 10 Ländern: Deutschland, Österreich, Schweiz, UK, Tschechien, Niederlande, Frankreich, Luxemburg, Polen und ab 2025 Spanien. Das Ziel: 500 Restaurants in Europa bis 2030.

Wem gehört L'Osteria?

Seit März 2023 hält McWin Capital Partners (ein europäischer PE-Fonds für Gastronomie) 66%. Die Gründer Rader und Findeis halten 34%. Es war der erste Eigentümerwechsel seit der Gründung. Die Bewertung lag bei rund 400 Millionen Euro.

Was unterscheidet L'Osteria von Vapiano?

Tischservice statt Selbstbedienung, fokussierte Speisekarte (Pizza + Pasta) statt 49+ Gerichte, kontrolliertes Wachstum (10-27 Standorte/Jahr statt 30+), und eine klare Identität die in einem Satz passt. Beide hatten ähnliche Preise — aber L'Osteria fühlt sich nach Restaurant an, Vapiano fühlte sich nach Kantine an.

Ist L'Osteria ein Franchise?

Ja — L'Osteria arbeitet mit einem Drei-Säulen-Modell: eigene Restaurants, Joint Ventures und Franchise-Partner. Rund 65% der Standorte laufen über Franchise oder Joint Ventures. Die Investition pro Standort liegt bei 1,5-1,8 Millionen Euro, die laufende Lizenzgebühr bei 6% vom Nettoumsatz.

Kann L'Osteria den Private-Equity-Eigentümer überleben?

Die ehrliche Antwort: Das weiß noch niemand. Bisher hat McWin das Konzept nicht verwässert. Aber die Beschleunigung auf 500 Standorte bis 2030 und die Übernahme von Pizza Pilgrims zeigen: Die Expansionsmaschinerie läuft. Ob die Qualität bei Verdopplung der Standorte in 5 Jahren hält, wird die entscheidende Frage der nächsten Jahre.

Fazit: Die Frage die niemand stellen will

L'Osteria ist die beste Geschichte die die deutsche Systemgastronomie zu erzählen hat. 200 Standorte. 486 Millionen Euro Umsatz. Wachsend, profitabel, mit klarer Identität. Gebaut von einem Mann der aus dem größten Fehler seiner Karriere gelernt hat.

Aber die Geschichte hat eine offene Frage am Ende.

Vapiano funktionierte bis 100 Standorte. Dann wurde es zu schnell, zu unscharf, zu getrieben. L'Osteria ist bei 200 — und beschleunigt auf 500 in 5 Jahren. Unter einem Private-Equity-Eigentümer der irgendwann seinen Return will.

Die Kultur die Rader und Findeis in 25 Jahren aufgebaut haben — "la famiglia", die 45-Zentimeter-Pizza, der Tischservice, die offene Küche — muss jetzt etwas überleben das stärker ist als jeder Wettbewerber: den Druck von innen.

Das ist keine Schwarzmalerei. Das ist ein Muster das sich in dieser Serie dutzende Male wiederholt hat. Von Red Lobster bis Maredo. Von Vapiano bis TGI Friday's.

L'Osteria hat bessere Voraussetzungen als alle anderen. Die Gründer sind mit 34% dabei — nicht als Berater, sondern als Gesellschafter mit Haut im Spiel. Das Konzept ist klar. Die Zahlen stimmen. Der Umsatz pro Standort liegt bei 2,4 Millionen Euro. Die Marke wird von 13 Millionen Gästen jährlich besucht.

Aber die Voraussetzungen waren bei Red Lobster 2014 auch gut. 2,67 Milliarden Dollar Umsatz, 700 Filialen, eine geliebte Marke. Und bei Vapiano 2010: schnell wachsend, innovativ, beliebt. Beide sind trotzdem gescheitert — nicht an fehlendem Potential, sondern an falschen Entscheidungen unter falschem Druck.

Was am Ende entscheidet ist nicht der Businessplan. Es ist die Antwort auf eine einzige Frage:

Ist die Kultur stärker als der Druck?

Für dein Restaurant gilt dasselbe. Nicht weil du einen PE-Investor hast. Sondern weil der Druck — mehr Umsatz, weniger Kosten, schneller wachsen — für jeden Gastronomen existiert. Jeden Tag.

Die Restaurants die überleben sind nicht die die dem Druck nachgeben. Es sind die die wissen wer sie sind — und das nicht aufgeben. Egal was kommt.

L'Osteria weiß es. Noch.

Und du? Weißt du wofür DEIN Restaurant steht? Kannst du es in einem Satz sagen? Würdest du diesen Satz verteidigen — auch wenn jemand kommt und "optimieren" will?

Wenn ja: Du bist auf dem richtigen Weg. Wenn nein: Die Geschichte von L'Osteria und Vapiano zeigt was passiert wenn die Antwort fehlt. Und sie zeigt was möglich ist wenn sie da ist.

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