Restaurant Pressearbeit: Kostenlos in die Zeitung kommen
Was du in diesem Artikel lernst:
- Warum Journalisten fast nie auf Pressemitteilungen von Restaurants reagieren — und wie du das änderst
- Die 7 Geschichten-Typen die Redaktionen wirklich interessieren (mit konkreten Aufhängern)
- Eine fertige Pressemitteilungs-Vorlage + eine E-Mail-Pitch-Vorlage die funktioniert
- Wie du aus einem einzelnen Presseartikel ein dauerhaftes Sichtbarkeits-System baust
- Warum ein einziger Lokalzeitungs-Artikel mehr wert ist als eine 2.000€-Anzeige
| Was | Warum das wichtig ist |
|---|---|
| Journalisten wollen Geschichten, keine Werbung | Wer das versteht, wird veröffentlicht — wer es nicht versteht, wird ignoriert |
| Earned Media hat 3× höhere Glaubwürdigkeit als Werbung | Ein Zeitungsartikel überzeugt Gäste die keine Anzeige der Welt überzeugt hätte |
| Lokale Zeitungen erreichen knapp 40 % der deutschen Bevölkerung täglich | Dein Restaurant kann so mehr Menschen erreichen als mit jedem Social-Media-Post |
| Pressearbeit ist ein System, kein Einzelereignis | Wer einmal schreibt und aufhört, verliert. Wer kontinuierlich pitched, gewinnt |
| Presseartikel mit Online-Backlink = direktes SEO-Signal | Jeder Artikel der auf dich verlinkt stärkt deine Sichtbarkeit bei Google |
Die häufigste Frage die ich von Gastronomen höre
"Was soll ich denn schreiben? Wir haben doch nichts Besonderes."
Ich höre das in fast jedem Erstgespräch. Immer dann, wenn das Thema Pressearbeit aufkommt.
Das ist keine Bescheidenheit. Das ist ein Wahrnehmungsproblem.
Hashim Smajli vom Dolce Vita in Uslar hielt sein Restaurant auch lange für "nichts Besonderes". Ein normales Italian in einer Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern. Keine Sterne, kein berühmter Koch, keine ausgefallene Nische. Nur gutes Essen und konsequentes Marketing.
Heute macht er 90 bis 100 Geburtstagsfeiern pro Monat. Allein aus diesem einen Kanal generiert er verlässlich 25.000 bis 35.000€ Monatsumsatz. Sein persönliches Einkommen hat sich mehr als verdoppelt, seine Arbeitszeit ist um die Hälfte gesunken.
Pressewürdig? Absolut.
Aber der Punkt ist ein anderer: Nicht die fehlende Geschichte ist das Problem. Sondern die Unfähigkeit, sie zu sehen.
Journalisten sind jeden Tag auf der Suche nach genau solchen Geschichten. Sie brauchen Inhalte. Sie haben Redaktionsschlüsse. Sie sind froh wenn ein Gastronom mit einem konkreten Aufhänger auf sie zukommt — und nicht mit einer Werbebotschaft in Pressemitteilungs-Gewand.
Wer den Unterschied zwischen einer Geschichte und einer Werbebotschaft versteht, wird veröffentlicht.
Wer ihn nicht versteht, landet ungelesen im Papierkorb.
Genau das zeige ich dir in diesem Artikel.
Was Pressearbeit für dein Restaurant wirklich bringt
Lass uns kurz ehrlich sein über das warum.
Viele Gastronomen denken bei Pressearbeit ans Ego. Einmal in der Zeitung stehen, ein Foto vom Tisch ausschneiden, in den Rahmen hängen.
Das ist kein Ziel. Das ist Dekoration.
Das was Pressearbeit wirklich bringt, ist substanzieller.
Vertrauen das keine Anzeige kaufen kann. Deutsche Regional- und Lokalzeitungen werden von 96 Prozent ihrer Leser als glaubwürdig bewertet — das zeigt die BDZV-Studie "Zeitungsqualitäten 2024". 92 Prozent der Konsumenten vertrauen Earned Media mehr als jeder Form von Werbung (Nielsen). Wenn die Lokalzeitung über dein Restaurant berichtet, ist das keine Werbung. Das ist ein Ritterschlag.
Reichweite die bezahlte Werbung übertrifft. Regional- und Lokalzeitungen in Deutschland erreichen täglich rund 26 bis 28 Millionen Leser — das sind knapp 40 Prozent der Bevölkerung (BDZV, ma 2024). Mit ihren digitalen Angeboten kommen deutsche Zeitungen auf insgesamt 76,8 Prozent der Bevölkerung. Eine Anzeige in derselben Zeitung kostet dich 2.000 bis 5.000€ für eine Ausgabe. Die Pressegeschichte kostet dich ein paar Stunden Zeit.
SEO-Wirkung die du nicht kaufen kannst. Wenn ein Onlinemedium über dein Restaurant berichtet und auf deine Website verlinkt, ist das ein Backlink von einer glaubwürdigen, etablierten Domain. Solche Links sind das wertvollste was du für dein Google-Ranking aufbauen kannst — und sie entstehen durch gute Pressearbeit, nicht durch Werbebudget.
Positionierung als lokaler Experte. Wer regelmäßig in der Presse auftaucht, wird nicht nur als Gastronom wahrgenommen — sondern als Autorität in seinem Bereich. Das ist der Unterschied zwischen einem Restaurant und einem Restaurant das man kennt und empfiehlt.
Kurze Rechnung gefällig?
Eine ganzseitige Anzeige in einer Regionalzeitung: 3.000 bis 5.000€. Erinnerungswirkung nach 7 Tagen: minimal. Vertrauen bei den Lesern: "Das ist Werbung."
Ein redaktioneller Artikel über dein Restaurant: 0€. Erinnerungswirkung: wochenlang. Vertrauen: "Die Zeitung hat darüber berichtet — das muss stimmen."
Das ist der Unterschied zwischen PR und Werbung. Und warum du ihn verstehen musst.
Was du jetzt tun kannst: Schreib dir auf was an deinem Restaurant in den letzten 12 Monaten passiert ist das überraschend, ungewöhnlich oder bemerkenswert war. Nicht als Werbebotschaft — sondern als Journalist: "Was würde mein Nachbar interessieren wenn ich ihm davon erzähle?"
Was Journalisten wirklich wollen — und was nicht
Ich habe im Laufe meiner 23 Jahre mit Hunderten von Gastronomen gearbeitet. Und ich habe gesehen wie Pressemitteilungen geschrieben werden.
Die meisten sind eine einzige Katastrophe.
Nicht weil die Restaurants schlecht wären. Sondern weil die Gastronomen Pressemitteilungen aus der Perspektive des Restaurantbesitzers schreiben — nicht aus der Perspektive des Journalisten.
Das ist der Kern-Fehler.
Ein Journalist sitzt am Morgen an seinem Schreibtisch. Er hat 40 E-Mails. Er muss heute drei Artikel schreiben. Er hat 30 Minuten für die Themensuche. Er sucht nicht nach deinem Restaurant. Er sucht nach einer Geschichte die seine Leser interessiert.
Die Frage die er — bewusst oder unbewusst — bei jeder eingehenden E-Mail stellt:
"Warum sollte mein Leser das heute lesen?"
Wenn du diese Frage für deine Geschichte nicht in einem Satz beantworten kannst, ist es noch kein Thema.
Was Journalisten NICHT interessiert:
- "Wir haben unser Restaurant renoviert." → Toll für dich. Kein Thema für den Leser.
- "Wir haben neue Gerichte auf der Karte." → Macht jedes Restaurant jede Saison.
- "Wir haben unser 20-jähriges Jubiläum." → Gratulation. Allein kein Thema.
- "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Zeitung." → Formulierungen die zeigen dass du noch nie auf dem Journalisten-Tisch saßt.
Was Journalisten WILL:
- Menschliche Geschichten mit Konflikt, Wendung und lokalem Bezug
- Zahlen die überraschen ("100.000€ Monatsumsatz in einer Kleinstadt — wie?")
- Trends die lokal sichtbar werden ("Warum immer mehr Restaurants in [Stadt] auf Mittagstisch setzen")
- Das Ungewöhnliche hinter dem Gewöhnlichen ("Was wirklich passiert bevor der erste Gast kommt")
- Gesellschaftliche Themen an einem lokalen Beispiel festgemacht ("Fachkräftemangel — wie ein Gastronom in [Stadt] das Problem anders löst")
Der Reframe:
Werbung sagt: "Kommt zu uns — wir sind gut."
PR sagt: "Schaut was hier passiert — das ist interessant."
Wer das verinnerlicht hat, bekommt Artikel. Wer es nicht verinnerlicht, bekommt höfliche Absagen oder — häufiger — gar keine Antwort.
Was du jetzt tun kannst: Geh auf die Website deiner Lokalzeitung. Schau dir die letzten fünf Artikel über lokale Unternehmen an. Welche wurden veröffentlicht? Was haben sie gemeinsam? Dort liegt der Schlüssel zu deinem ersten Pitch.
Die 7 Geschichten-Typen die Redaktionen interessieren
Nicht jede Geschichte passt in jedes Medium. Aber es gibt sieben Typen die fast immer funktionieren — wenn du sie richtig aufbereitest.
Typ 1: Die Comeback-Geschichte
"Nach der Schließung: Wie [Restaurant] neu durchstartet."
Das klingt erstmal negativ. Ist es aber nicht. Journalisten lieben Konflikt und Überwindung. Corona hat fast jeden Gastronomen getroffen. Wer danach wieder aufgestanden ist — mit einer klaren Geschichte dazu — hat einen Aufhänger der lokal Identifikation schafft.
Warum es funktioniert: Leser identifizieren sich mit Scheitern und Wiederaufstehen. Das ist die Grundstruktur jeder guten Geschichte seit den Anfängen des Erzählens.
Konkreter Aufhänger: Was hat sich verändert? Was hast du gelernt? Welche Zahl zeigt den Unterschied?
Typ 2: Die Zahlen-Geschichte
"Dieses Restaurant in [Stadt] macht 100.000€ Monatsumsatz — mit einer Methode die kaum jemand kennt."
Bülent Bozkurt aus Regensburg schickte 50 handgeschriebene Briefe. Die Kosten: 32€. Der Umsatz daraus: 2.648€. ROI: 6.384%.
Das ist pressewürdig. Nicht weil Bozkurt berühmt ist. Sondern weil die Zahl so überraschend ist dass man zweimal lesen muss.
Warum es funktioniert: Zahlen machen das Abstrakte konkret. Sie geben dem Journalisten eine Schlagzeile — und dem Leser einen Grund weiterzulesen.
Dein Aufhänger: Welche Zahl aus deinem Restaurant würde Menschen überraschen? Nicht die Gesamtumsatz-Zahl. Sondern das überraschende Verhältnis. Das unerwartete Ergebnis. Die Konversion die niemand glauben würde.
Typ 3: Die Trend-Geschichte
"Warum immer mehr Restaurants in [Stadt] auf Mittagstisch setzen."
Du bist nicht der Aufhänger. Du bist der lokale Experte der einen nationalen Trend erklärt.
Das ist die vielleicht unterschätzteste Form der Pressearbeit. Journalisten sind ständig auf der Suche nach lokalen Experten die sie bei Themen zitieren können. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie ist ein nationales Thema. Die Energiepreise sind ein nationales Thema. Wenn du als Gastronom aus deiner Stadt bereit bist, dazu konkret Stellung zu nehmen — mit Zahlen, mit persönlicher Erfahrung, mit einem Standpunkt — dann bist du genau das was Journalisten brauchen.
Warum es funktioniert: Journalist gewinnt lokale Perspektive. Du gewinnst eine Erwähnung. Beide Seiten profitieren.
Vorgehen: Lies die Wirtschafts-Seiten der Lokalzeitung zwei Wochen lang. Welche Themen tauchen immer wieder auf? Schreib eine E-Mail: "Ich habe Ihren Artikel über [Thema] gelesen. Ich bin seit 15 Jahren Gastronom in [Stadt] und erlebe das täglich — hier ist meine Perspektive dazu."
Typ 4: Die Gesellschafts-Geschichte
"Fachkräftemangel: Wie ein Restaurantbesitzer aus [Stadt] aus der Not eine Tugend macht."
Gesellschaftliche Themen + lokale Verankerung = perfekte Redaktions-Kombination.
Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe ist dokumentiert — Azubi-Zahlen sind seit 2007 um über 60 Prozent eingebrochen (Statista). Das ist kein Randthema mehr. Es ist ein Gesellschaftsthema. Und du bist mittendrin.
Was hast du konkret anders gemacht? Vier-Tage-Woche eingeführt? Azubis aus dem Ausland ausgebildet? Dienstpläne zwei Wochen im Voraus erstellt und dadurch den Krankenstand halbiert? Das ist ein Thema.
Wichtig: Nicht klagen. Lösungen zeigen. Journalisten suchen keine Opfergeschichten. Sie suchen Protagonisten die handeln.
Typ 5: Das Jubiläum — aber richtig gemacht
Das Jubiläum allein ist kein Thema. "Wir sind jetzt 20 Jahre alt" interessiert niemanden außer euch.
Aber die Geschichte hinter dem Jubiläum — das ist ein Thema.
"20 Jahre [Restaurant]: Was sich in [Stadt] verändert hat — und was die Gäste damals wollten verglichen mit heute."
Jetzt hast du einen gesellschaftlichen Rahmen. Du erzählst die Geschichte der Stadt durch die Geschichte deines Restaurants. Das ist Lokalgeschichte. Das interessiert Leser.
Aufhänger: Was hat sich in deiner Stadt, deiner Straße, deinem Kiez in 20 Jahren verändert? Was haben Gäste früher bestellt was heute kaum noch jemand will? Was gab es früher nicht was heute Standard ist?
Typ 6: Die Kooperations-Geschichte
"Wenn Weingut und Restaurant gemeinsame Sache machen — und warum das für beide Seiten aufgeht."
Lokale Wirtschaftskooperationen sind ein einfach zu pitchender Story-Typ. Warum? Weil du plötzlich zwei Unternehmen in einer Geschichte hast. Beide haben Interesse daran dass die Geschichte erscheint. Beide können bei ihren eigenen Kontakten dafür werben.
Und: Kooperationen zeigen Initiative, Kreativität und unternehmerisches Denken. Das ist genau das Bild das du aufbauen willst.
Mögliche Kooperationspartner für Pressegeschichten: lokale Produzenten und Bauernhöfe, Weingüter, Brauereien, Eventlocations, Hoteliers.
Typ 7: Die Hinter-den-Kulissen-Geschichte
"Was passiert bevor das erste Gericht serviert wird."
Gastronomen unterschätzen chronisch wie faszinierend ihr Alltag für Außenstehende ist.
5:30 Uhr. Der Markt. Die Lieferanten. Die erste Kaffeerunde in der Küche. Drei Köche die in einem Raum so klein wie eine Zwei-Zimmer-Wohnung ein Hundert-Personen-Menü vorbereiten. Die Kellnerin die fünf Minuten vor Öffnung noch die Reservierungsliste durchgeht.
Das ist Stoff. Nicht für eine große Reportage. Aber für einen Besuch eines Lokalreporters der eine Seite über "Lokales Leben" füllen muss.
Diese Art Geschichte ist besonders geeignet für Stadtmagazine, Wochenblätter und lokale Online-Portale — Formate die Platz für weiche, atmosphärische Inhalte haben.
Was du jetzt tun kannst: Geh diese sieben Typen durch und schreib zu jedem einen konkreten Aufhänger aus deinem Restaurant. Du wirst feststellen dass du mindestens drei pressewürdige Geschichten hast, die du nie als solche wahrgenommen hast.
Kostenloser Redaktions-Leitfaden: Deine Medien-Map für lokale Sichtbarkeit
Möchtest du eine fertige Vorlage für deine ersten Pressekontakte — inklusive Redaktionskalender-Checkliste und einer Liste der wichtigsten lokalen Medientypen mit Ansprechpartner-Tipps? Die Grundstruktur zeige ich hier im Artikel. Den konkreten Schritt-für-Schritt-Leitfaden erarbeite ich regelmäßig mit Klienten individuell — je nach Markt, Region und Positionierung. Im GastroInsider-Newsletter behandle ich immer wieder konkrete Pressearbeit-Strategien die meine Klienten gerade einsetzen.
→ Hier eintragen und nichts verpassen.
Wo du die richtigen Kontakte findest — deine lokale Medien-Map
Bevor du schreibst, brauchst du die richtigen Adressen.
Die häufigste Fehler-Strategie: Eine Pressemitteilung an "info@lokalzeitung.de" schicken. Ergebnis: Nichts.
Journalismus funktioniert über Ressorts und Menschen. Nicht über allgemeine Postfächer.
Lokal — hier ist deine Erfolgsquote am höchsten
Lokalzeitung:
Dein wichtigster Kanal. Prüfe welches Ressort zu deiner Geschichte passt.
- Wirtschaftsredaktion: Umsatzzahlen, Expansion, Kooperationen, Jubiläen mit wirtschaftlichem Winkel
- Stadtteile-/Regionalredaktion: Hinter-den-Kulissen, Comeback-Geschichten, lokale Kooperationen
- Gesellschaft/Ratgeber: Fachkräfte-Themen, gesellschaftliche Trends
So findest du den richtigen Ansprechpartner: Website der Zeitung → Impressum oder "Redaktion" → Ressortleiter Lokales oder Wirtschaft. Alternativ: LinkedIn-Suche "[Stadtname] Journalist" oder "[Zeitungsname] Redakteur Wirtschaft". Für lokale Medien ist oft auch XING noch aktiv.
Stadtmagazine:
In fast jeder deutschen Stadt gibt es mindestens ein kostenloses Stadtmagazin. Diese Formate sind oft sehr froh über Content-Vorschläge weil ihre Redaktionen klein sind. Besonders geeignet für atmosphärische Hinter-den-Kulissen-Geschichten und Kooperationsankündigungen.
Lokale Online-Portale:
Viele Städte haben eigene Nachrichtenportale (oft mit "news" oder dem Stadtnamen im Domain-Namen) die ständig nach lokalen Geschichten suchen. Der Vorteil: Online-Artikel bringen Backlinks — direktes SEO-Signal für deine Website.
Lokalradio:
Wird unterschätzt. Die Morgenmagazine der Lokalradiosender suchen regelmäßig lokale Gesprächspartner für kurze Interviews. Ein 3-Minuten-Interview mit 50.000 Hörern ist mehr Reichweite als die meisten Instagram-Posts.
Regional und Fachmedien — für besondere Geschichten
Wenn deine Geschichte überregional interessant ist — durch außergewöhnliche Zahlen, einen ungewöhnlichen Ansatz oder eine gesellschaftliche Relevanz die über deine Stadt hinausgeht:
- Gastro-Fachzeitschriften: Foodservice, ahgz (Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung)
- Food-Blogs mit Reichweite in deiner Region
- Digitale Magazine mit Gastronomie-Sektion (T-Online Regional, Focus Regionen, Stern.de Ratgeber)
Der Kontakt-Aufbau: So gehst du vor
- Recherchiere Namen, nicht Adressen. Finde den richtigen Journalisten für dein Thema.
- Lies deren letzte Artikel. Zeig in deiner ersten Kontaktaufnahme dass du ihre Arbeit kennst.
- Schreib persönlich, nicht wie eine Agentur. Kein PR-Jargon. Direkte, menschliche Sprache.
- Biete etwas an. Nicht: "Wir haben eine Pressemitteilung." Sondern: "Ich habe eine Geschichte für Ihre Leser."
Was du jetzt tun kannst: Erstelle heute eine Excel-Tabelle mit fünf lokalen Journalisten — Name, E-Mail, Ressort, letzte drei Artikel die sie geschrieben haben. Das ist dein erster Medien-Kontakt-Pool. Fünf Namen reichen für den Anfang.
Die Pressemitteilung — Vorlage und häufige Fehler
Pressemitteilungen sind nicht tot. Aber sie müssen anders geschrieben werden als die meisten Gastronomen denken.
Hier ist die Struktur die funktioniert:
Beispiel — gut:
PRESSEMITTEILUNG
15. März 2026 — sofort zur Veröffentlichung freigegeben
Wie ein Stadtrestaurant durch Direktmarketing vom Umsatz-Absturz zur Warteliste kam
Valentino in Regensburg: Mit 50 Briefen und 32€ Kosten zu 2.648€ Zusatzumsatz
Was zunächst wie ein Experiment klang, ist für Bülent Bozkurt vom Valentino in Regensburg längst Routine: ein einfaches Direktmailing an bestehende Gäste, das zuletzt bei 50 verschickten Briefen einen ROI von über 6.000 Prozent erzielte. Nicht mit großem Werbebudget — sondern mit einem System.
...
Warum diese Headline funktioniert: Sie liest sich wie eine Schlagzeile. Nicht wie Werbung. Sie hat Konflikt (Absturz) und Auflösung (Warteliste). Sie hat eine konkrete Zahl (32€ / 2.648€). Ein Journalist kann das nahezu 1:1 übernehmen.
Die 5 häufigsten Fehler in Restaurant-Pressemitteilungen
Fehler 1: Headline klingt wie Werbung.
"Restaurant Valentino präsentiert sein neues Frühlingsmenü." → Das ist keine Schlagzeile. Das ist ein Anzeigentext.
Fehler 2: Das Wichtigste steht am Ende.
Journalisten lesen von oben. Wenn dein Kernaufhänger in Absatz vier steht, wird er nicht gelesen. Journalisten selektieren in 10 Sekunden.
Fehler 3: Das Zitat ist werblich.
"Wir freuen uns sehr, unseren Gästen dieses besondere Erlebnis bieten zu können." → Das sagt nichts. Quotes müssen Haltung, Kontext oder eine konkrete Beobachtung transportieren. "Als wir die ersten Ergebnisse sahen, dachte ich, da stimmt etwas nicht — bis mir klar wurde, dass das System tatsächlich funktioniert." → Das ist ein Zitat.
Fehler 4: Zu lang.
Mehr als 400 Wörter wird nicht vollständig gelesen. Kurz, klar, strukturiert.
Fehler 5: Kein Foto dabei.
Das ist der am häufigsten unterschätzte Fehler. Redaktionen brauchen Bilder. Ohne Bild kein Artikel — oder zumindest weniger Platz und weniger Prominenz.
Das Foto muss: mindestens 300 DPI, mindestens 1200 Pixel breit, kein Logo, kein Text im Bild. Menschen auf dem Foto erhöhen die Veröffentlichungswahrscheinlichkeit signifikant. Ein Foto von einem leeren Restaurant zieht deutlich weniger als ein Foto mit Gastgeber und Atmosphäre.
Was du jetzt tun kannst: Schreib heute eine Headline für die drei stärksten Geschichten aus deinem Restaurant — aus Journalisten-Perspektive. Wenn die Headline nicht neugierig macht, ist das Thema noch nicht scharf genug.
Der Redaktions-Pitch — wenn keine Pressemitteilung
Für Online-Medien, Stadtmagazine und lokale Blogger funktioniert eine persönliche E-Mail oft besser als eine formelle Pressemitteilung.
Warum? Weil sie menschlicher ist. Weil sie zeigt dass du die Redaktion kennst. Und weil sie dem Journalisten Kontrolle über die Geschichte lässt — was er schätzt.
Hier ist die Vorlage:
Wichtig: Der Betreff muss neugierig machen. Nicht: "Pressemitteilung Valentino Regensburg." Sondern: "Geschichte-Idee: Restaurant-Umsatz verfünffacht — mit 32€ Werbeetat."
Wichtig: Zeig dass du den Journalisten kennst. Der Satz "Ich habe Ihren Artikel über X gelesen" ist der wichtigste Satz der ganzen E-Mail. Er zeigt: Ich schreibe nicht jedem dasselbe. Ich respektiere deine Arbeit. Ich bin kein Spam.
Was du jetzt tun kannst: Schreib den Pitch für deinen stärksten Geschichten-Typ. Sende ihn noch heute Woche an einen Journalisten. Nicht morgen, nicht "wenn alles perfekt ist." Heute.
Dein nächster Schritt: Die GastroInsider Pressearbeit-Vorlage
Ich arbeite regelmäßig mit Gastronomen an ihren ersten Pressestrategien — von der Medien-Map bis zur ersten Pressemitteilung. Was den Unterschied macht zwischen den Gastronomen die Artikel bekommen und denen die ignoriert werden, ist ein Faktor den die meisten unterschätzen. Im GastroInsider Newsletter gehe ich darauf immer wieder konkret ein — mit Beispielen aus der aktuellen Praxis meiner Klienten.
→ Hier eintragen — kostenlos, jederzeit abmeldbar.
Pressearbeit als System — nicht als Einmalereignis
Das ist der Punkt wo die meisten aufhören.
Sie schicken eine Pressemitteilung. Nichts passiert. Und sie denken: "Pressearbeit funktioniert bei mir nicht."
Das ist wie einmal ins Fitnessstudio gehen und sich zu wundern warum man keine Muskeln hat.
Pressearbeit ist ein System. Es braucht Aufbau, Konsistenz und Zeit.
Schritt 1: Baue eine Medien-Liste auf
Keine große Datenbank. Fünf bis zehn lokale Kontakte reichen.
Name, E-Mail, Ressort, Themenschwerpunkte, letzte relevante Artikel. Das ist deine Redaktionsdatenbank. Sie wächst mit der Zeit.
Schritt 2: Kenne den Redaktionskalender
Lokalzeitungen und Stadtmagazine planen viele Ausgaben thematisch im Voraus.
Gastronomie-Beilagen erscheinen oft im Frühjahr und Herbst. Adventsausgaben werden im Oktober oder November geplant. Jubiläumsausgaben der Zeitung selbst sind oft große Reportage-Chancen für lokale Unternehmen.
Wenn du weißt wann ein Thema geplant ist, kannst du vier Wochen vorher pitchen. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber spontanen Einsendern.
Wie du das herausfindest: Ruf einfach in der Redaktion an. "Guten Tag, ich bin Gastronom in [Stadt] und würde gerne wissen ob Sie für das zweite Halbjahr bereits Themen-Ausgaben rund um lokale Gastronomie planen." Du wirst erstaunt sein wie offen die meisten Redakteure darauf reagieren.
Schritt 3: Pitche 3 bis 4 Mal im Jahr — nicht bei jeder Kleinigkeit
Das ist wichtig: Nicht bei jeder Kleinigkeit melden. Das führt dazu dass Journalisten deine E-Mails als Spam wahrnehmen.
3 bis 4 Mal im Jahr mit einer wirklich guten Geschichte ist deutlich wirkungsvoller als monatliche Einsendungen mit halbgaren Themen.
Schritt 4: Pflege Beziehungen zwischen Pitches
Das unterscheidet professionelle Pressearbeit von gelegentlichem Verschicken.
Melde dich auch dann wenn du kein aktuelles Thema hast. Ein kurzes "Ich wollte mich kurz melden — falls Sie für Ihren nächsten Artikel über Gastgewerbe einen lokalen Ansprechpartner suchen, bin ich gerne dabei" reicht. Kein Aufsatz, keine Pressemitteilung. Nur eine kurze menschliche Kontaktaufnahme.
Das baut etwas auf das sich kaum kaufen lässt: einen Journalisten der dich anruft wenn er etwas braucht.
Das ist das Ziel.
Was du jetzt tun kannst: Plane vier Pressemitteilungs-Anlässe für dieses Jahr. Saisonales Thema, gesellschaftliches Thema, Jubiläum oder Kooperation, Hinter-den-Kulissen. Trag sie in deinen Kalender mit Deadlines für Pitch-Vorbereitung ein.
Pressearbeit und digitale Sichtbarkeit kombinieren
Ein Presseartikel ist nicht das Ende. Er ist ein Asset — und du solltest ihn mehrfach nutzen.
Auf deiner Website: Jeden Presseartikel verlinken. Eine eigene Seite "Presse" oder "Wie gesehen in..." aufbauen. Das stärkt Vertrauen bei neuen Besuchern enorm — und es ist ein sozialer Beweis der kostenlos weiterarbeitet.
Auf Social Media: Den Artikel teilen, die Redaktion taggen, Gäste einladen den Artikel zu teilen. So bekommt der Artikel mehr Reichweite — und du zeigst deiner Community dass du "der Gastronom bist über den berichtet wird."
Als E-Mail an deine Gästeliste: "Wir waren in der [Zeitung] — hier ist der Artikel." Das ist keine Werbung. Das ist sozialer Beweis. Deine Stammgäste werden stolz darauf sein.
Für Google: Online-Artikel mit Link auf deine Website sind Backlinks — das wertvollste SEO-Signal das es gibt. Jeder Artikel auf einer glaubwürdigen lokalen Newsseite der auf restaurantwerbung.de verlinkt ist ein direkter Faktor für dein Google-Ranking.
Die wichtigste Erkenntnis: Pressearbeit und digitale Sichtbarkeit sind keine getrennten Kanäle. Sie verstärken sich gegenseitig. Ein Artikel in der Lokalzeitung → Social Media Traffic → mehr Newsletter-Abonnenten → mehr Google-Bewertungen → bessere Rankings.
Wer Pressearbeit isoliert betrachtet, lässt die Hälfte des Wertes liegen.
Was du jetzt tun kannst: Erstelle auf deiner Website eine einfache Seite "Presse" oder "Auszeichnungen & Erwähnungen". Leer darf sie anfangen — aber sie wartet auf deinen ersten Artikel.
Häufige Fragen zur Restaurant-Pressearbeit
Muss ich einen PR-Profi beauftragen?
Nein. Für lokale Medienarbeit brauchst du keine Agentur. Du brauchst ein gutes Thema, die richtigen Kontakte und die Bereitschaft dich konkret auszudrücken. Agenturen machen Sinn wenn du nationale Medien anstrebst oder keine Zeit hast die Arbeit selbst zu machen. Für die lokale Ebene ist der direkte, persönliche Kontakt oft effektiver als ein professionell formulierter Agentur-Text.
Was kostet eine Pressemitteilung zu schreiben?
Reine Zeitkosten. Eine gut geschriebene Pressemitteilung schreibst du in einer bis zwei Stunden — wenn das Thema klar ist. Eine Vorlage und eine gute Geschichte sind teurer als jedes PR-Budget-Line-Item.
Wie oft sollte ich Pressemitteilungen verschicken?
Drei bis vier Mal im Jahr mit wirklich relevanten Themen. Häufiger wenn du konkrete Anlässe hast die genuinen Nachrichtenwert haben. Seltener ist besser als häufig und irrelevant.
Was tue ich wenn der Journalist nicht antwortet?
Eine einmalige Nachfass-E-Mail nach sieben bis zehn Tagen ist okay. Kein Telefonanruf als erste Nachfasse — das wirkt aufdringlich. Wenn nach dem zweiten Kontakt keine Rückmeldung kommt, ist das kein Nein für immer. Vielleicht war das Thema nicht passend. Beim nächsten Anlass einfach wieder melden.
Was wenn die Zeitung etwas Falsches schreibt?
Ruf an. Direkt, freundlich, sachlich. Die meisten Journalisten korrigieren Fehler gerne — weil Genauigkeit ihr professionelles Selbstverständnis ist. Nicht verärgert reagieren, sondern lösungsorientiert. Der Journalist ist kein Feind — er ist ein langfristiger Kontakt.
Brauche ich professionelle Fotos?
Für Pressemitteilungen: Ja, idealerweise. Bilder müssen mindestens 300 DPI und 1200 Pixel breit sein, ohne Text-Overlays und ohne Logo. Für den ersten Pitch reicht auch ein gutes Smartphone-Bild in hoher Auflösung wenn das Motiv stimmt.
Was wenn mein Restaurant wirklich nichts Besonderes hat?
Dann lohnt es sich zu überlegen warum das so ist — nicht als Ausrede für das Fehlen von Pressearbeit, sondern als strategische Frage. Jedes Restaurant hat mindestens eine pressewürdige Geschichte. Manchmal braucht sie einfach einen anderen Rahmen. Die Comeback-Geschichte, der gesellschaftliche Trend-Winkel, das Hinter-den-Kulissen-Format — irgendeiner dieser sieben Typen passt auf jedes Restaurant.
Kann Pressearbeit meinem Restaurant schaden?
Nur wenn du unvorbereitet bist oder dich zu Aussagen verleiten lässt die du nicht belegen kannst. Bleib bei Zahlen die du verifizieren kannst. Sprich nur über Dinge die du aus eigener Erfahrung kennst. Formuliere Zitate die du so auch in einem Kundengespräch sagen würdest. Dann kann nichts schiefgehen.
Wie lange dauert es bis ich erste Ergebnisse sehe?
Das hängt vom Thema ab. Gute Pitches mit starkem Nachrichtenwert können innerhalb von einer bis zwei Wochen zu einem Artikel führen. Beziehungsaufbau mit Journalisten dauert Monate. Der erste Artikel kommt oft schneller als erwartet — wenn das Thema wirklich gut ist.
Fazit: Ein guter Presseartikel pro Quartal verändert deine Positionierung
Pressearbeit ist kein Geheimrezept. Sie ist eine Fähigkeit.
Und wie jede Fähigkeit wird sie besser je öfter du sie einsetzt.
Das Ziel ist nicht "einmal in der Zeitung stehen." Das Ziel ist: der lokale Gastronom sein den Journalisten anrufen wenn sie einen Experten brauchen. Der Name der fällt wenn jemand fragt "Welches Restaurant macht das gut?" Der Gastronom dessen Restaurant Gäste besuchen weil sie ihn nicht nur aus TripAdvisor kennen, sondern aus der Zeitung, vom Radio, aus dem Stadtmagazin.
Das baut sich nicht über Nacht auf.
Aber es baut sich. Und zwar dann wenn du aufhörst zu denken dass du "nichts Besonderes" hast — und anfängst zu sehen was wirklich hinter deiner Geschichte steckt.
Ein Presseartikel pro Quartal. Fünf Medienkontakte in deiner Datenbank. Eine gute Geschichte mit konkreten Zahlen.
Das ist kein Luxus für große Marken. Das ist ein System das du heute starten kannst.
Und das kostet dich: nichts als ein paar Stunden und den Mut, eine E-Mail zu schreiben.
Fang heute an — nicht wenn "alles perfekt ist." Denn der Gastronom der heute schreibt, erscheint nächsten Monat in der Zeitung. Und der der wartet, erscheint nie.
Weiterführende Artikel auf restaurantwerbung.de
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